Neu belebt
Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss nicht sein. Wird die Musik Glucks nicht im romantischen Dauerlegato, sondern mit den Mitteln seiner Zeit zu Klang gebracht, offenbart sie Reize sonder Zahl.
Das erweist jetzt wieder die Tragédie «Iphigénie en Tauride» von 1779 in einer Produktion der Zürcher Oper. Mit La Scintilla kommt das hauseigene Barockorchester zum Zug, das sich im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis mit eigener Brillanz bewegt. Und mit Gianluca Capuano ist ein Dirigent am Werk, der die Praktiken des 18. Jahrhunderts kennt und sie äußerst fantasievoll einsetzt. Der tiefe Stimmton von 415 Hertz erleichtert nicht nur den Sängern das Leben, er fördert auch eine Sonorität von kerniger, federnder Opulenz. Sie wird noch dadurch betont, dass die Streicher vielgestaltig und temperamentvoll artikulieren – etwa das Geräusch beim Anstrich ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Hagmann
Bis 2023 ist die Mozartwoche in Salzburg in der Hand des Multitalents Rolando Villazón. Der singt als Intendant nur noch auf offener Straße, zum Gaudium des «Fußvolks», mexikanische Ständchen an Mozarts Geburtstag, ist aber auch sonst allgegenwärtig: als Moderator und Gesprächsleiter, als Regisseur von sieben eigens beauftragten Dramoletten zu Mozart-Divertimenti,...
Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal...
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...
