Neu belebt
Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss nicht sein. Wird die Musik Glucks nicht im romantischen Dauerlegato, sondern mit den Mitteln seiner Zeit zu Klang gebracht, offenbart sie Reize sonder Zahl.
Das erweist jetzt wieder die Tragédie «Iphigénie en Tauride» von 1779 in einer Produktion der Zürcher Oper. Mit La Scintilla kommt das hauseigene Barockorchester zum Zug, das sich im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis mit eigener Brillanz bewegt. Und mit Gianluca Capuano ist ein Dirigent am Werk, der die Praktiken des 18. Jahrhunderts kennt und sie äußerst fantasievoll einsetzt. Der tiefe Stimmton von 415 Hertz erleichtert nicht nur den Sängern das Leben, er fördert auch eine Sonorität von kerniger, federnder Opulenz. Sie wird noch dadurch betont, dass die Streicher vielgestaltig und temperamentvoll artikulieren – etwa das Geräusch beim Anstrich ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Hagmann
«Das Serail ist eine Stadt. Ein Leben ständigen Rennens, […] ein Gefängnis der Einsamkeit.» Als Luk Perceval für eine Opernregie in Genf angefragt wurde, bestand der belgische Theatermann auf «beträchtlichen Freiheiten». So wurde Mozarts Singspiel aus dem Jahre 1782 entkernt: keine Dialoge, kein Serail, kein Bassa Selim, kein Orientalismus. Stattdessen eine...
Der Mann hat besondere Vorlieben: «Senior Queens», Damen der reiferen Kategorie – und Geld genug, sich Mitwisser leisten zu können: Hat er eine bei einschlägigen Internetdiensten gefunden, dann lässt er sie von einem Gehilfen quer durch die Großstadt fahren, lackiert ihr daheim unter Klarsichtfolie die Fingernägel und sperrt sie anschließend in die siebte Kammer...
Die attraktive junge Frau mit der schwarzen Mähne wirft sich der Musik nachgerade körperlich in die Arme: Mit Leidenschaft singt Sara Hershkowitz Lieder von Philip Herschkowitz. Der Komponist war gebürtiger Rumäne, die Familie der in Los Angeles geborenen Sängerin hat ebenfalls ihre Wurzeln dort. Doch ob und wie beide verwandt sind, weiß die Sopranistin nicht. «Es...
