Höllenfahrt mit himmlischen Tönen
Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon während des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Straßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua» (Szenenanweisung) – ist ein bedrohlicher Raum mit schwarzen Wänden: eine Hölle der Gehörnten.
Sie alle sind die Opfer der erotischen Gier und Unersättlichkeit, die der Herzog in seiner Ballata besingt, und alle sind sie dadurch auch zu Teufeln geworden.
Dies der Auftakt von Nikolaus Lehnhoffs glanzvoll besetzter Dresdner Inszenierung von Verdis «Rigoletto» unter der packenden musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Der Hof des Duca di Mantua erscheint als eine kalt-bedrohliche Lusthölle, in der laszive Frauen sich barbrüstig exhibitionieren und makabre Tierwesen umhergeistern wie die Maskenfiguren in Stanley Kubricks «Eyes Wide Shut». Aus dieser Welt der Obsessionen und der bizarren Rituale kehrt Rigoletto zurück in ein anderes Gefängnis: eine leere Kammer, in dem er seine Tochter vor der Welt verborgen hält. Hier wird ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seine Schwäche fürs erotische Intermezzo hat «Il turco in Italia» wenig genützt. Rossinis Oper über den Seitensprung wurde zumindest in Berlin seit Ewigkeiten nicht aufgeführt. Man muss das Stück leicht nehmen können. Dass der stets eilige Rossini «Il turco» 1814 nicht allein, sondern mit fremder Hilfe vollendete (bei den Rezitativen und beim Schluss), tat ein...
«Schlag nach bei Shakespeare», trällern die beiden Ganoven in Cole Porters Broadway-Genie-Streich von 1948. Das Ziel, von der renitenten Schauspielerin Lilli Vanessi alias Katharina die Spielschulden ihres (natürlich immer noch geliebten) Verflossenen Fred Graham alias Petruchio einzutreiben, haben sie zwar nicht erreicht. Und auch der in flotter...
Seit Götz Friedrichs Tod im Jahr 2000 ist dies die erste Wagner-Inszenierung an der Deutschen Oper – und doch nur ein zarter Vorbote der Rückkehr zur Wagner-Pflege. Die harsch niedergebuhte Arbeit der türkisch-italienischen Regisseurin Tatjana Gürbaca ist, zugegeben, vor allem eines: langweilig. Das ist erstaunlich, denn als Schülerin von Ruth Berghaus und Peter...
