Editorial
Damit hatte niemand gerechnet: Der Streit um den Umbau der Deutschen Staatsoper in Berlin hat sich zu einer gesamtdeutschen Staatsaffäre ausgewachsen, und die ganze (Feuilleton-)Republik redet mit. Seit die Ergebnisse des von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten Wettbewerbs um die Sanierung der maroden Lindenoper Anfang Juni vorgestellt wurden, stehen nicht nur die neun Mitglieder der Jury Kopf, die – mit sechs zu drei Stimmen – für den Entwurf des Berliner Architekten Klaus Roth votierten.
Kaum ein Tag verging, an dem sich nicht auch Politiker, Unternehmer, Leitartikler und Künstler jedweder Couleur mit leidenschaftlichen Appellen zu Wort meldeten. Die öffentliche Aufregung um das im Verlauf seiner rund 250-jährigen Geschichte mehrfach veränderte und erweiterte Haus erreichte Temperaturen, als stehe die Kulturnation auf dem Spiel. Worum geht es?
Zum einen offenbart die Debatte einen ideologischen Konflikt um Symbole und Identitäten. Die Bruchlinie verläuft, vereinfacht gesagt, zwischen Traditionalisten, die – und sei es noch so oft überformt – das (vermeintlich bessere) Vergangene bewahren möchten, und Modernisten, die – und sei es noch so schwer zu ...
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Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die...
Seine Schwäche fürs erotische Intermezzo hat «Il turco in Italia» wenig genützt. Rossinis Oper über den Seitensprung wurde zumindest in Berlin seit Ewigkeiten nicht aufgeführt. Man muss das Stück leicht nehmen können. Dass der stets eilige Rossini «Il turco» 1814 nicht allein, sondern mit fremder Hilfe vollendete (bei den Rezitativen und beim Schluss), tat ein...
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
