Editorial
Damit hatte niemand gerechnet: Der Streit um den Umbau der Deutschen Staatsoper in Berlin hat sich zu einer gesamtdeutschen Staatsaffäre ausgewachsen, und die ganze (Feuilleton-)Republik redet mit. Seit die Ergebnisse des von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten Wettbewerbs um die Sanierung der maroden Lindenoper Anfang Juni vorgestellt wurden, stehen nicht nur die neun Mitglieder der Jury Kopf, die – mit sechs zu drei Stimmen – für den Entwurf des Berliner Architekten Klaus Roth votierten.
Kaum ein Tag verging, an dem sich nicht auch Politiker, Unternehmer, Leitartikler und Künstler jedweder Couleur mit leidenschaftlichen Appellen zu Wort meldeten. Die öffentliche Aufregung um das im Verlauf seiner rund 250-jährigen Geschichte mehrfach veränderte und erweiterte Haus erreichte Temperaturen, als stehe die Kulturnation auf dem Spiel. Worum geht es?
Zum einen offenbart die Debatte einen ideologischen Konflikt um Symbole und Identitäten. Die Bruchlinie verläuft, vereinfacht gesagt, zwischen Traditionalisten, die – und sei es noch so oft überformt – das (vermeintlich bessere) Vergangene bewahren möchten, und Modernisten, die – und sei es noch so schwer zu ...
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Ende gut, alles gut? Aus dem Schnürboden geht ein reinigender Regen auf die frühlingshaft bunt gewandeten (Chor-)Frauen nieder. Da stehen sie, soeben noch von Hagens Mannen brutal missbraucht, in weißem Licht. Während die Musik vom lodernden Untergang Walhalls kündet, hoffen sie auf ein neues Leben. So wie die unbehausten Kids, die das Geschehen in kauernder Angst...
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner volltönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...
