Hochseekrimi
Detlev Glanert gehört zu den wichtigsten Opernkomponisten der mittleren Generation. Wie fast alle seine zwölf vorausgegangenen Bühnenwerke beruht auch sein jüngster Einakter «Das Holzschiff» auf einer literarischen Vorlage, dem ersten Teil der Romantrilogie «Fluss ohne Ufer» von Hans Henny Jahnn. Der große Poète-maudit der deutschen Literatur erzählt in dieser 1935/36 entstandenen Novelle die geheimnisvolle Ausfahrt eines Segelschiffs, das unter dem Befehl eines Superkargos mit unbekannter Fracht und unbekanntem Ziel ausläuft und nach einer Meuterei auf hoher See untergeht.
Ein Mord ist geschehen; aber die Leiche Ellenas bleibt unauffindbar – auch für Gustav, ihren Verlobten, der als blinder Passagier auf das Schiff gekommen ist.
Bei Jahnn ist das äußere Geschehen Abbild einer Reise zu den Gletschern der Seele. Sein Roman zeigt den Menschen als «Schauplatz von Ereignissen», was die Arbeit des Librettisten nicht gerade erleichtert. Christoph Klimke ist es mit einer stationenartigen Dramaturgie gelungen, Atmosphäre und Figuren der Vorlage so zu konzentrieren, dass die erzählerischen Umrisse erhalten bleiben und insgesamt sieben Tanz-Interludien zugleich einen eigenständigen Klangraum ...
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Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.
Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines...
Max Schreck hieß sinnigerweise der Schauspieler, der in Murnaus «Nosferatu» von 1922 die nämliche Schauergestalt spielte. 88 Jahre später begegnen wir seinem Klon auf der Bühne der Wiener Staatsoper – in Sven-Eric Bechtolfs Neuinszenierung von Paul Hindemiths Art-and-Crime-Oper «Cardillac», der ersten Premiere unter Direktor Dominique Meyer. Die Nosferatu-Gestalt...
1979 wurde die dreiaktige Fassung von Alban Bergs «Lulu» an der Opéra de Paris uraufgeführt, vervollständigt von Friedrich Cerha. Eine Sensation damals. Trotzdem ist die Kritik am dritten Akt seitdem nicht verstummt. Überfrachtet, schwer durchhörbar, eben doch nicht wirklich Berg, hießen – pauschal zusammengefasst – die Einwände. Sie galten weniger der Ergänzung...
