Hochbetrieb in der Sommerfrische

Nie gab es so viele Festivals wie heute:Während das Publikum aus einem riesigen Angebot wählen kann, wird es immer schwieriger, künstlerisch unverwechselbare Profile zu erkennen

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Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhaftigste, so zumindest das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines Jargons abheben, dem es vor allem um eines geht: Sichtbarkeit herzustellen, Leuchtsignale zu setzen im unermesslich anschwellenden Strom der Bilder und Zeichen.

Allein, wenn Sinn und Bedeutung der Wörter nurmehr am Goldlack haften, der sie überzieht, verlieren sie ihre distinktive Kraft – und mit ihr die Fähigkeit, präzise eben jene eine Sache zu bezeichnen, die uns zu verführen, zu überraschen, in Bann zu schlagen verspricht wie sonst kaum etwas.

Festspiele zum Beispiel. Der Boom der Festivalkultur hat viel mit dem Bedürfnis nach Außergewöhnlichem zu tun, nach gemeinsamer Erfahrung, die dem Alltag mit seinen Zwängen und Routinen, den Zumutungen des verwalteten Lebens enthoben ist. Foren der Anschauung, des Feierns, der Kontemplation waren sie bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland. Was damals als kultische ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Essay, Seite 60
von Albrecht Thiemann

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