Hochamt des Nihilismus
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der Willkürherrscher und Selfiesticks – die Verhaltensmuster sind die gleichen.
Im Opernhaus Zürich legt Calixto Bieito den Finger genau darauf, und er tut das so unbarmherzig, wie es seine Art ist.
Die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst hat ihm einen ovalen Laufsteg entworfen, von der Bühne über den Orchestergraben ins Auditorium und wieder zurück. Das schafft eine ungewohnte Nähe – die noch dadurch unterstützt wird, dass die Video-Einrichtung von Sarah Derendinger das Geschehen scharf heranzoomt und auf zweimal sieben Bildschirmen links und rechts im Raum vergrößert. Die Bühne selbst wird dominiert von einem steil ansteigenden Podest mit zusätzlichen Sitzplätzen sowie einer Mitteltreppe für Auf- und Abtritte.
Die Wirkungsmacht dieses Raumtheaters hat den Vorteil, dass das Egomane der Figuren in Monteverdis Oper krass zutage ...
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