Hinter dem Spiegel
Ulrich Schreiber brach schon 2006 im letzten Band seines «Opernführers für Fortgeschrittene» eine Lanze für Samuel Barbers «Vanessa», indem er meinte, dass dessen «in erweiterter Tonalität angelegte Musik ... dem psychologisierenden Kammerspiel mehr als nur einen klangsinnlichen Rahmen zu geben» vermöge.
Gleichwohl sollten noch einige Jahre vergehen, bis diese Auffassung seines Opus’ auch außerhalb Amerikas Gehör fand, das nach seiner bejubelten New Yorker Uraufführung 1958 unter Dimitri Mitropoulos und einem spektakulären Durchfall im selben Jahr unter demselben Dirigenten bei den Salzburger Festspielen für mehrere Jahrzehnte an europäischen Bühnen gleichsam totgeschwiegen wurde. Ende vergangenen Jahres erinnerten in rascher Folge Wexford und Berlin an das Werk (siehe OW 12/2016). Nun beteiligt sich das Stadttheater Bremerhaven mit einer so sehens- wie hörenswerten Aufführung an den Wiederbelebungsversuchen.
Man könnte «Vanessa», diesen in sensiblen Stimmungsbildern entwickelten melancholischen Seelenstriptease einer Dreierbeziehung, als Trivialstory erzählen – davon hat diese Oper viele Ingredienzen. Man kann das Stück aber auch auf eine zweite Bedeutungsebene heben, und das tun ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
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