Himmlische Längen
Mit seiner abendfüllenden komischen Oper «Lo frate ’nnamorato» (Der verliebte Bruder, 1732), seiner ersten Arbeit in diesem Genre, hatte der 22-jährige Giovanni Battista Pergolesi in Neapel einen durchschlagenden und anhaltenden Erfolg. Das Libretto steht in der Tradition der neapolitanischen (Dialekt-)Komödie. Der Findling Ascanio liebt Nena und Nina und kann sich für keine entscheiden: Zum Glück, denn am Schluss erfährt er, dass sie seine Schwestern sind.
Bis das glücklich geklärt ist, vergehen fast drei Stunden, dank mehrerer über Kreuz gehender Nebenhandlungen und weil die große Personnage reichlich mit Arien eingedeckt ist. Pergolesi zieht alle Register seiner frühreifen Kunst; erfindungsreich im Melodischen wie im Einsatz der Instrumente. Längen hat die Oper trotzdem – mitunter himmlische zwar, aber doch Längen.
1989 brachte Riccardo Muti das Werk an der Mailänder Scala heraus, mit modernen Instrumenten in klassizistischem Stil musizierend. Die Inszenierung von Roberto de Simone ließ die Zeit der Entstehung lebendig werden. Der Mitschnitt dieser Aufführung liegt auf CD wie auf DVD vor. In Jesi ging man vor zwei Jahren den entgegengesetzten Weg: Während im Graben auf ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Ekkehard Pluta
Draußen vor der Helmut-List Halle, in einem an Sultan Saladins Zeiten erinnernden Zelt, prangt das Logo eines Energie versprechenden Prickeldrinks. Doch wer braucht hier ein Aufputschmittel? Wohnt nicht jeder Harnoncourt-Premiere ohnehin ein Prickeln inne, zumal, wenn es sich um Offenbach handelt? Beide Herrschaften verbindet ja mehr als das Cellospiel und die...
Etwa auf halber Strecke zwischen Oxford und dem Londoner Ring liegt Wormsley, das malerische Anwesen der Getty-Familie in den Chiltern Hills. Jeden Sommer zeigt hier die Garsington Opera in bester englischer Picknickatmosphäre drei Opern, mit Blick über Wiesen, Wälder, Wildpark und Wasser. Dieses Jahr auf der Bühne in Robert Snells preisgekröntem Glaspavillon:...
Heute kommt Stefano Pavesi (1779-1850) in Opernführern nur noch als Fußnote vor, doch zu seiner Zeit war er ein viel gespielter Komponist. Sein dramma giocoso «Ser Marcantonio» erlebte nach der erfolgreichen Uraufführung im Herbst 1810 an der Mailänder Scala bereits in der ersten Spielzeit 54 Vorstellungen, in den folgenden 20 Jahren gab es über 50 verschiedene...
