Heutige Heldinnen
Eingekürzte «Zauberflöten» oder Kinderfassungen des «Freischütz» sind ja ganz nett. Aber den gewachsenen Ansprüchen an die Kinderoper genügen sie nicht. Und Humperdincks «Hänsel und Gretel» erscheinen doch langsam – pardon, das ist nicht hexenfeindlich gemeint – ein wenig ausgebrannt. Neue Stücke müssen her. Stücke, die den Zeitgeist treffen und einem jungen Publikum, oft aus opernunerfahrenem Elternhaus, die Faszination des Musiktheaters vermitteln. Die Kunst bieten, nicht bloß Pädagogik.
Aber das kostet.
Deshalb haben sich die Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf und Duisburg) sowie die Theater in Bonn und Dortmund zusammengeschlossen, um jedes Jahr einen Kompositionsauftrag zu vergeben und die Produktion dann von Haus zu Haus touren zu lassen.
Der neueste Streich: die Duisburger Uraufführung von «Ronja Räubertochter», einem Stück von Jörn Arnecke nach Astrid Lindgren. Die Premiere: eine Schulvorstellung um 11 Uhr vormittags. Noch fünf Minuten vor Beginn geht es hoch her, Kinder quietschen, schnattern, brüllen und lassen überhaupt ordentlich Dampf ab – um dann zwei Stunden lang (unterbrochen von einer Pause) ganz konzentriert zu lauschen. Nur ganz selten hört man eine Lehrerin ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Stefan Keim
Eigentlich muss man Andris Nelsons sehen. Wie er sich hinter Partitur und Dirigentenpult duckt, als wolle er von den Klangwellen, die er eben entfesselte, nicht weggespült werden. Und wie er dann als Springteufel wieder hochkommt. In dieser CD-Einspielung von Wagners «Fliegendem Holländer» aus Amsterdam sieht man ihn nicht, doch man spürt Nelsons Körpersprache in...
Dass das doch so auffällt. Dass es eine Aufführung doch so spürbar prägt. In Karlsruhe ist eine Interpretation von Richard Wagners «Parsifal» zu erleben, bei der alle Beteiligten offenkundig an einem Strang gezogen haben. Das Ergebnis: eine musikalisch-vokal-szenische Einheit. Vier der fünf großen Partien sind mit Rollendebütanten bestückt, ohrenscheinlich...
«Ein Krampf. Ein Schreck. Ein Händedruck.» Es ging um die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals «Elektra», und der Kritiker Alfred Kerr dichtete Schlagzeilen.
Dabei reimte er freilich auf Druck Gluck. Doch die Musik des Ritters war ein Lüfterl im Vergleich zum Orkan, der noch kommen sollte: Richard Strauss funktionierte das Schauspiel, das im Zeichen der...
