Herzerfrischend frivol

London, Ravel: L’Heure espagnole. Puccini: Gianni Schicchi

Opernwelt - Logo

Engel, heißt es, beneideten uns Menschen, weil wir über einen Körper verfügen. Wenn das stimmt, können sie dem Doppelabend am Royal Opera House nur ihren Segen erteilt haben. In Ravels «L’Heure espagnole» wie in Puccinis «Gianni Schicchi» dreht sich alles ums irdische Begehren – auf der Folie von Sex (Ravel) und Geld (Puccini). Dass Sex und Geld als anrüchig gelten, spielt keine Rolle. Die Moral lautet: Da wir nun mal nur dieses eine Leben haben, sollten wir derlei Gelüsten nachgeben, so lange uns dies vergönnt ist. Kein Wunder, dass die Engel uns beneiden.


Bevor über Richard Jones’ Inszenierung das Licht angeht, nimmt uns bereits ein Lustobjekt auf dem Eisernen Vorhang gefangen: ein Kleid, grell rosa, Punktmus­ter, perfektes Dekolleté. Ob für Mann oder Frau – es ist ein verführerisches Entrée zu Ravels pikanter Komödie über die Gattin eines Uhrmachers (Concepcion), die sich nach einem starken männlichen Körper sehnt. Ihr Mann (Torquemada) kann damit nicht dienen. Auch vom geilen Bürgermeister ist sie wenig angetan, und ihr Verse drechselnder Liebhaber ist impotent. Doch mitten im ärgsten Frust erspäht sie den knackigen Bizeps eines jungen Maultiertreibers. Problem gelöst.
John ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Andrew Clark

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weber: Der Freischütz

Ein Krisensymptom. Das ist die einzige Bedeutung dieser Aufführung. Nach seiner Total-Havarie mit «Arabella» hält sich Alexander von Pfeil, der Chefregisseur der Deutschen Oper, diesmal interpretatorisch zurück. Ergebnis: Nicht nur er selbst, sondern auch Chor, Dirigent und sein Ausstattungsteam werden durch Buhstürme von der Bühne gefegt. Respekt gegenüber dem...

Engführung

In den fünfziger Jahren war sie eines der am häufigsten gespielten Werke der Moderne, Paul Hindemiths Künstleroper «Mathis der Maler». Von den Nazis wurde sie verboten. Wohl wegen der Szene, in der Vertreter der katholischen Kirche protestantische Bücher verbrennen lassen. Die Parallelen zu den realen Geschehnissen waren zu offensichtlich. 1934 sollte die Oper von...

Auf Abruf

Quizfrage: Was verbindet die Staatsoper in Hannover mit dem Braunschweiger Staatstheater – außer der Bundesbahn oder der A2? Antwort: Die beiden Häuser werden wohl als Pioniere eines neu­artigen Online-Service in die Geschichte eingehen, der es ihren virtuellen wie realen Besuchern erstmals erlaubt, sich anhand kurzer Videofilme über aktuelle Produktionen zu...