Heine war entzückt
Unter dem Datum 1. Mai 1844 berichtet Heinrich Heine in seinem Paris-Buch «Lutetia» von einer schönen Begebenheit: «Einen ungeheuren Beifall findet Scribes neue Oper ‹Die Sirene›, wozu Auber die Musik geschrieben.» Damals ein Repertoire-Renner, ist das Stück heute nicht einmal mehr dem Titel nach bekannt. Völlig zu Unrecht, wie man jetzt dank der Initiative des Théâtre Impérial in Compiègne weiß, wo schon eine ganze Reihe anderer Auber-Opern wie «Die Krondiamanten» und «Manon Lescaut» wieder ins Licht gerückt wurden.
Mit 28 gemeinsamen Arbeiten waren Dichter und Komponist ein eingespieltes Team, als sie mit der dreiaktigen opéra-comique «La Sirène» noch einmal auf das Erfolgsrezept des «Fra Diavolo» (1830) zurückgriffen. Es geht um den Schmuggler Scopetto, der unter dem Namen Marco Tempesta in den Abbruzzen sein Unwesen treibt, und seine Schwester Zerlina, die mit ihrem geheimnisvollen Sirenengesang Einwohner und Reisende bezaubert. Auch den Impresario Bolbaya, der eine solche Stimme für sein Opernensemble sucht. Zerlina liebt den Seemann Scipion, der sich am Ende als Herzog entpuppt. Eine romantische Räuberklamotte, die reich an Wendungen und dramatischen Theatercoups ist, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Ekkehard Pluta
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Der Schauplatz: die Bretagne im Mittelalter, ein stereotypisches Nordland mit Seen, Schlössern, Kirchen und Hirschjagden, nebelverhangen. Die Handlung: gespickt mit Eifersuchtsdramen, einem Duell, einem Hexenprozess und vermeintlichen Todesfällen. Der krause Plot und das Schauerambiente inspirierten Bellini zu einer...
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken...
