Heimatlos
Die französische Mezzosopranistin Eva Zaïcik, eine der schönsten jüngeren Stimmen der Barockmusik, hat ihre neueste CD «Mayrig» mit Liedern der armenischen Komponisten Komitas (1869–1935) und Garbis Aprikian (*1926) den «armenischen Müttern» gewidmet. Das faszinierende Programm, das uns in die ferne, fremde musikalische Welt des Kaukasus entführt, enthält auch Komitas’ berühmtestes Lied «Antuni» («Heimatlos»), das schon Claude Debussy aufs Tiefste berührte.
Im Nachhinein scheint es hellsichtig, jenes grausame Schicksal des jahrhundertelang zwischen dem Osmanischen Reich und Persien, ja bis heute zwischen der Türkei und Russland zerriebenen Volks zu beklagen, das den staatlich organisierten, von den Türken stets geleugneten Genozid nicht vergessen hat, dem 1915 in Ostanatolien anderthalb Millionen Menschen zum Opfer fielen.
Komitas, der Begründer der modernen armenischen Musik – er war Mönch, Priester, Sänger, Chordirigent, Volksliedsammler und Komponist – zerbrach selbst daran, entkam 1919 nach Frankreich und starb dort in einer psychiatrischen Klinik. Viele seiner Lieder – Klage-, Schlaf- und Liebeslieder, ja selbst die Tanzlieder – sind von einer melancholischschmerzvollen ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Uwe Schweikert
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Maria Callas ist ein Mythos und im öffentlichen Bewusstsein zweifelsohne die bekannteste, wirkungsmächtigste Sängerin des 20. Jahrhunderts. Eva Gesine Baur hat sich mit ihrer zum 100. Geburtstag erschienenen Biografie das hohe Ziel gesetzt, «die eigentliche Callas auszugraben». Gleich im Vorspann beklagt sie, «dass die Neugier für Maria Callas als Frau das...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
