Heimatklänge

Jonas Kaufmann, Roberto Alagna und Daniel Behle zieht es in geschmacksgelockerte Zonen

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Ein Hang zur Edelfolklore regional gefärbter Evergreens erfreut sich besonders unter Tenören großer Beliebtheit. Luciano Pavarotti wurde es in Italien dennoch verübelt, dass er bei «Torna a Surriento» oder «’O sole mio» den neapolitanisch weichen Zungenschlag nur unzureichend imitierte. Wer Jonas Kaufmann auf seinem neuesten Album «Dolce Vita» hört, dem wird die authentisch softe Akzentgebung auffallen – und auch gefallen. Deutsche lernen gern Sprachen. Sogar Dialekte.

Eine leichte Überbetonung der Diktion, etwa in «Caruso» von Lucio Dalla (der Titel wurde bereits von Pavarotti neapolitanisch eingemeindet), dient Kaufmann interpretatorisch dazu, eine dennoch kämpferische Tonlage, ein metallisches Schmettern für dieses Repertoire anzuschlagen. Es ist ein Singen teilweise mit gefletschten Zähnen. Leoncavallos «Mattinata» zeigt den kaum erwachten, schon sein Maul weit aufreißenden Löwen; aber nicht den vergeblich Liebenden, der die Morgenröte grüßt. Nicht klar wird, ob Kaufmann den Krafttenor hervorkehrt, weil er ihn für stilistisch geboten hält – oder weil er ein unveräußerlicher Teil seines Images geworden ist.

Weite Teile des Albums, übergossen mit süßlicher ...

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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Kai Luehrs-Kaiser

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