Hedvigs Welt
Kurz vor drei ist die Welt an diesem Nachmittag auf der Eteläesplanadi noch in Ordnung. Der Himmel ein schwereloses Gemälde in Graublau, vom Hafen weht eine sanfte Brise herüber, und angenehm warm ist es auch: 23 Grad Celsius. Auf dem sandkörnigen Mittelstreifen herrscht reger Flaneur-Verkehr, und auch die wenigen Parkbänke vor der Espan Lava, einer Konzertbühne en miniature mit goldener Lyra auf dem Dach, füllen sich nach und nach.
Gekommen sind vor allem ältere Menschen, die es sich nicht nehmen lassen, einige der Sängerinnen und Sänger zu hören, die es bei der diesjährigen Mirjam Helin International Singing Competition zwar nicht ins Halbfinale oder gar Finale geschafft haben, denen aber das beliebte Format noch einen öffentlichen Auftritt ermöglicht. Was allein schon deswegen erstaunlich ist, weil als Begleitinstrument nur ein Keyboard zur Verfügung steht, dessen Klänge nicht nur einmal vom Winde verweht werden.
Irgendetwas an diesem Ambiente aber muss die Götter erzürnt haben. Denn kaum ist Marie Sofie Jacob ans Mikrofon getreten, um eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, verfinstert sich der Himmel über Helsinki und öffnet schließlich, begleitet von orkanartigen Böen, seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Wissen die Frauen alles? Oder ist die Verkleidung der Kerle perfekt? Oder lassen sie doch wenigstens eine kleine Ahnung erahnen? Es ist, so scheint es aus Sicht der Regie, das zentrale Problem von «Così fan tutte». Dabei ist die Sache so simpel wie szenisch kompliziert: Man weiß es einfach nicht. Die Genialität von Mozarts und Da Pontes letztem Geniestreich liegt...
Es ist nicht anzunehmen, dass Werner Egk Kenntnis vom fulminanten literarischen Debüt «The Recognitions» von William Gaddis besaß. Die deutsche Übertragung dieses megalomanen, 1955 erschienenen Romans, der anhand der Geschichte des genialisch veranlagten Kunstfälschers Wyatt Gwyon in süffig-süffisanter Brillanz mit der bigot -ten US-Gesellschaft der McCarthy-Ära...
Wir nehmen an, dass Jacquot nicht meinte, was er krähte: «Richard Wagner ist ein böser Mann». Denn Papageien sprechen ja quasi onomatopoetisch nach, was man ihnen regelmäßig vorsagt, und Minna Wagner hatte den bunten Vogel entsprechend instruiert. Wobei Richard in einem Brief vom 14. September 1858 an Minna spöttisch forderte, Jacquot solle sagen, Richard Wagner...
