Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Wir nehmen an, dass Jacquot nicht meinte, was er krähte: «Richard Wagner ist ein böser Mann». Denn Papageien sprechen ja quasi onomatopoetisch nach, was man ihnen regelmäßig vorsagt, und Minna Wagner hatte den bunten Vogel entsprechend instruiert. Wobei Richard in einem Brief vom 14. September 1858 an Minna spöttisch forderte, Jacquot solle sagen, Richard Wagner sei «doch ein guter Mann». Kleine Spitzen wie diese aus dem Gefühlsalltag des Ehepaars sind Würze im Briefwechsel aus den Jahren 1835 bis 1865, den Eva Rieger erstmals zusammenstellte.
Ein böser Mann? An einigen Wegkreuzungen ihres Lebens mag Minna es so empfunden haben. Zugleich blieb Richard für sie «der Einzige» (so der Titel eines satirischen Buches über Wagner). Zwar wollte die 28-Jährige nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit wieder ausbüchsen. Grund war eine kurze, aber heftige Affäre mit einem Kaufmann namens Dietrich. Für den 24-jährigen Wagner ein hochtraumatisches Erlebnis; Briefe vom Juni und September 1837 dokumentieren seine emotional überbordende Reaktion. Apropos überbordend: Die Angelegenheit wirkte sich später auch auf den «Fliegenden Holländer» und das Dreieck Senta (= Minna), Holländer (= natürlich ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 34
von Gerhard Persché
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