Happy Birtwistle!
Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
Wiebke Roloff: Gut möglich! Dabei hatte Brittens English Opera Group ihn selbst nach Aldeburgh eingeladen.
Britten kannte Birtwistles Musik, rechnete sogar mit etwas Provokantem – aber offenbar nicht in dem Maß.
GP: Die Musik von «Punch and Judy» spiegelt jene Freiheit von Schulen und Dogmen, auf der Birtwistle seit je beharrt. Vom Adorno’schen Altern der Neuen Musik ist bei diesem Stück nichts zu spüren; im Gegenteil, Birtwistles spätere Werke – etwa «Gawain» – scheinen schneller gealtert zu sein ...
WR: Es steckt eine ungeheure Frische und Energie im Nebeneinander von Trivialem und Hochkultur. Die einzelnen Abschnitte heißen «Reisemusik» oder «Wetterbericht», aber auch «Melodrama», «Serenade», «Passionschoral» und so fort – Birtwistle spielt mit den Formen so unbefangen, wie ein Kind aus Bauklötzen Türme baut und sie ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von
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