Händel: Ariodante

Barcelona

Opernwelt - Logo

Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ario­dante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren Rollenporträts barocker Wackermänner gelingen können.
Mit gutturaler Pracht, schwerblütig, aber schön in der emotionalen Tiefenschau hält Kasarova Einkehr in die schottische Ritter-Soap.

Die Stimme hat leichte Rüstung angelegt. Etwas steife, wie aufgespießt wirkende Spitzentöne und Kurzstrecken-Portamenti zwischen Halbtönen dicken den Fluss der Gefühle an. Mit wunderbarem Kamillenton lindert sie dann wieder die Merkwürdigkeiten des undurchsichtigen Plots. Sie kann trumpfen, träumen, sich versenken.
Noch immer baumeln in Achim Freyers aus Frankfurt übernommener Inszenierung die Marionetten-Beinchen vom Latz der zu Puppen verzwergten Sänger. Freyers Version traut dem Stück keinerlei dramatische Differenzierung zu. Sie hat mit Spitzensängern wie Steve Davislim (Lurcanio), Ofèlia Sala (Ginevra) und Elena de la Merced (Dalinda), die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kabalen und Liebe

Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen...

Zandonai: Francesca da Rimini

Die ehemals Fürstbischöfliche Oper in Passau ist mit dreihundertdreißig Plätzen wohl eines der kleins­ten öffentlichen Theater der Welt. Und doch bietet das von Stefan Tilch geleitete Haus ein von Händel über Verdi bis zu Strauss und Britten reichendes Programm, das es mit den «Großen» aufnehmen kann. Und jetzt Riccardo Zandonais «Fran­ces­­ca da Rimini»,...

Das «schöne, wilde Tier» – der Mann

In der Regel ist es eher umgekehrt. Da erläutern Regisseure im Programmbuch vollmundig ein Konzept, das sich auch mit «Bedienungsanleitung» nicht so richtig erschließt. Sven-Eric Bechtolf dagegen stapelt dieses Mal tief. Er sagt im Essay zu seiner Zürcher «Don Giovanni»-Neuinszenierung – im Übrigen einer brillanten, konzisen Werkdeutung –, was alles nicht gezeigt...