Habe Dank!
Der Glaube, so sagt man, sei imstande, ganze Gebirgsketten zu versetzen. Der Aberglaube hingegen vermag Menschen in herbe Nöte zu stürzen, denen sie problemlos und bequem entweichen könnten, würden sie der Statistik vertrauen. Die besagt nämlich auch im Fall des berühmten Phänomens «Freitag, der Dreizehnte», dass an diesem Tag nicht mehr und auch nicht weniger Schlimmes passiert als an anderen Tagen des Jahres. Und doch ist die Zahl derjenigen, die mit diesem Datum dämonisch-diabolische Gedanken, ja, sogar Untergangsszenarien verbinden, enorm. Nur der Himmel weiß, warum.
Auch Arnold Schönberg, der große Visionär der Neuen Musik, zählte zu den Vertretern des Homo sapiens, die diesen Tag fürchteten wie der Teufel das Weihwasser. Medizinisch ausgedrückt, litt er unter Triskaidekaphobie, unter der Angst vor der Zahl 13 – was spöttische Geister mit dem Bonmot kommentierten, gerade deswegen habe er die Dodekaphonie erfunden. Tatsächlich aber wurden Schönbergs Befürchtungen bestätigt: Er starb am Freitag, den 13. Juni 1951. Und was den Zahlenmystiker posthum vermutlich kaum minder arg verstört hätte: Sein 150. Geburtstag fiel auf einen Freitag. Als wäre dies nicht genug der schlechten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert...
Seine große Zeit als Metapher hatte der deutsche Wald im 19. Jahrhundert. Am Beginn des 20. mutierte er dann zum psychoanalytisch gedeuteten Motiv, etwa bei Schönbergs sperrigem Monodram «Erwartung» (1909), aber auch in Ethel Smyths Musiktheater «Der Wald» von 1902. In Wuppertal kombinieren Regisseur Manuel Schmitt und GMD Patrick Hahn beide Bühnenwerke...
Die Bühne ist fast leer. Nur ein Sessel, darin ein Mann in «Arbeitskleidung: Maske, winzige rote Hörner, Trainingsanzug. Der Titelheld. «KathoTV» zeigt unterdessen Bilder eines sterbenden Papstes, der irgendeinem heilbringenden Ritus vorsteht, und unsichtbare Chöre aus himmlischen Phalanxen, Cherubim und Pönitenten singen dem Herrn diverse Loblieder. In der neuen...
