Von hoher Stringenz
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die absichtlich Schiffe stranden lässt, um sich die Ladung zu sichern. Es endet mit dem Liebestod der Protagonisten.
Eine leidenschaftlich in d-moll beginnende Ouvertüre steigert sich bis zu einer choralartigen Apotheose mit Orgel: «Kind of empire sound», sagt die Britin «glucksend». Nichts aber fehlt am kontinentalen Standard einer spätromantischen dramatischen Ouvertüre.
Diesen Auftritt der virilen Ethel Smyth hat es wirklich gegeben. Bruno Walter bezeugt ihn in knapper Skizze in seinen Erinnerungen «Thema und Variationen», und Volker Hagedorn macht daraus in seinem Buch «Flammen» eine Szene voll evokativer Kraft. Wenn es der Komponistin kurze Zeit später gelingt, zum Hofoperndirektor Mahler selbst vorzudringen (auch das ist bezeugt), wird dieser sie in Hagedorns Imagination genau bei der leer-triumphalen Apotheose abbrechen ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Klaus Heinrich Kohrs
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Am 3. April 2022.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Mariupol.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Gute Vorbereitung und Kaffee.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
«Frau ohne Schatten».
Welche Oper halten Sie für unterschätzt?
«Frau ohne Schatten».
Woran arbeiten Sie gerade?
«Frau ohne...
Nein, Rivalinnen sind Véronique Gens und Sandrine Piau nicht. Aber nun haben sie erstmals gemeinsam ein Recital aufgenommen, das zwei historischen Vorgängerinnen gewidmet ist, die im ausgehenden 18. Jahrhundert das Pariser Opernleben beherrschten und in der Tat Kontrahentinnen waren – Madame Saint-Huberty (1756-1812), die als Tragödin an der Académie Royale de...
JUBILARE
Das sängerische Können des US-amerikanischen Baritons Thomas Jamerson fand von den späten 1960erbis hin zu den 1990er-Jahren viel Beachtung. Richtig prominent trat er 1968 erstmals in Erscheinung als er im Studio die Rolle des Barone Douphol in Verdis «La traviata» mit Georges Prêtre am Pult des RCA Italiana Orchestra an der Seite von Montserrat Caballé...
