Von hoher Stringenz
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die absichtlich Schiffe stranden lässt, um sich die Ladung zu sichern. Es endet mit dem Liebestod der Protagonisten.
Eine leidenschaftlich in d-moll beginnende Ouvertüre steigert sich bis zu einer choralartigen Apotheose mit Orgel: «Kind of empire sound», sagt die Britin «glucksend». Nichts aber fehlt am kontinentalen Standard einer spätromantischen dramatischen Ouvertüre.
Diesen Auftritt der virilen Ethel Smyth hat es wirklich gegeben. Bruno Walter bezeugt ihn in knapper Skizze in seinen Erinnerungen «Thema und Variationen», und Volker Hagedorn macht daraus in seinem Buch «Flammen» eine Szene voll evokativer Kraft. Wenn es der Komponistin kurze Zeit später gelingt, zum Hofoperndirektor Mahler selbst vorzudringen (auch das ist bezeugt), wird dieser sie in Hagedorns Imagination genau bei der leer-triumphalen Apotheose abbrechen ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Klaus Heinrich Kohrs
Überall, jederzeit». So lapidar die Regieanweisung des Komponisten, so fundamental das im Stück verhandelte Sujet: Der Conditio humana, den Bedingungen und Umständen menschlichen Daseins gilt es nachzuspüren. Dazu schwebt die Tochter des hinduistischen Gottes Indra hinab auf die Erde. Der Menschen Schicksal zu erkunden, deren Leiden und Klagen zu durchleben und –...
Es ist nicht bekannt, wie viele Stunden Dietmar Dath pro Tag in Morpheus’ Armen verbringt. Aber wir vermuten: Es sind eher wenige. Ein Buch nach dem anderen verfasst dieser Vielbegabte, und das in einem solch aberwitzigen Tempo, dass sich die Vermutung aufdrängt, er könne die Themen, denen er sich widmet, nicht wahrhaft durchdringen. Allein, er vermag es,...
Von Friedrich Schiller stammt der schöne Satz, ernst sei das Leben, heiter sei die Kunst. Schon seine Herkunft verrät die Doppeldeutigkeit des Gemeinten, schließlich beschließt er den Prolog zu Schillers dramatischem Gedicht «Wallensteins Lager», einem Stück, dessen Heiterkeit sich in überschaubaren Bahnen hält. Interessant aber ist gerade die eingeschraubte...
