Gut und Böse
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180 Grad führt ins geheimnisvoll von elektrischem Wackelkerzen-Dämmer erhellte Auditorium, wo Marmor und Gold Pappmaché und Farbe sind, wo alles Musik und Bild gewordene Illusion ist, und wo vierhundertfünfzig Zuschauer erwartungsfroh harren. Der Auftakt im einzigen voll funktionsfähigen Barocktheater Europas, das eine deutsche Schwedenkönigin, Luise Ulrike von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, erbauen und ihr theaterverrückter Sohn Gustav III. zweimal am Tag bespielen ließ, er ist jedes Mal etwas Besonderes.
Das findet nur die schwedische Regierung nicht, die die Zuschüsse für das sommerliche Opernfestival in dem Schloss, zehn Kilometer vor Stockholm, stetig herunterfährt. So war dieses Jahr neben einem Marivaux-Schauspiel und Martín y Solérs «La capricciosa correta», einer Abwandlung von «Der Widerspenstigen ...
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Gleich am ersten Abend gibt es ein farbiges, lebendiges Kontrastprogramm: Nach dem «Don Quixote» von Richard Strauss, einigen abenteuerlich ineinanderfließenden Szenen aus dem «Rosenkavalier», mit dem die Finnische Nationaloper Helsinki in der Turun Konsert-titalo gastiert (Ritva-Liisa Korhonen singt die Marschallin, Lilli Paasikivi ist Oktavian, und Tiina...
In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der...
«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine...
