Gut und Böse
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180 Grad führt ins geheimnisvoll von elektrischem Wackelkerzen-Dämmer erhellte Auditorium, wo Marmor und Gold Pappmaché und Farbe sind, wo alles Musik und Bild gewordene Illusion ist, und wo vierhundertfünfzig Zuschauer erwartungsfroh harren. Der Auftakt im einzigen voll funktionsfähigen Barocktheater Europas, das eine deutsche Schwedenkönigin, Luise Ulrike von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, erbauen und ihr theaterverrückter Sohn Gustav III. zweimal am Tag bespielen ließ, er ist jedes Mal etwas Besonderes.
Das findet nur die schwedische Regierung nicht, die die Zuschüsse für das sommerliche Opernfestival in dem Schloss, zehn Kilometer vor Stockholm, stetig herunterfährt. So war dieses Jahr neben einem Marivaux-Schauspiel und Martín y Solérs «La capricciosa correta», einer Abwandlung von «Der Widerspenstigen ...
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Die Regel scheint sich immer mehr zu bewahrheiten: Wenn Olivier Py im Genfer Grand Théâtre inszeniert, ist Provokation vorprogrammiert. Bereits die Kreuzigungsszene in «Damnation de Faust» hatte im Publikum heftigen Protest entfacht. Im Fall des neuen «Tannhäuser» bahnte sich gar, wollte man einigen Medien Glauben schenken, ein handfester Skandal an. Py hatte für...
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im...
Es ist ein schönes Bellini-Paket, das TDK nach «Beatrice di Tenda» aus Zürich von 2001 mit «La sonnambula» aus Florenz (2004), «Norma» aus Parma (2001) und «I puritani» aus Barcelona (2001) geschnürt hat – mit drei Primadonnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und drei Stücken, die die ganze Bandbreite des Komponisten zwischen romantischem Märchen,...
