Partnertausch und Schulverweis

Opernwelt - Logo

Wagner im Klassenzimmer – die Idee hatte zuerst Peter Konwitschny, als er in Hamburg «Lohengrin» inszenierte. Auch im «Liebesverbot» geht es um die Jugend, konkret: um den Widerstreit jugendlicher Anarchie mit den Gesetzen der Sittenwächter. Ob das Stück, das Wagners Periode des «Jungen Deutschland» spiegelt, auch unter gänzlich veränderten Moralgesetzen aktuell ist, beantwortet Regisseur Georgios Kapoglou eindeutig mit «Ja».

Die Produktion des Festivals Junger Künstler Bayreuth konnte – dreißig Jahre nach einer ersten «Liebesverbot»-Produktion am Fuße des Hügels – ohne viel Schnickschnack beweisen, dass Wagners Jugendstück nicht allein aufgrund seiner unbekümmerten, stellenweise auch schon «echt Wagner’schen» Musik gespielt werden muss.
Indem der Regisseur die Handlung in die Zeit der sexuell befreiten Seventies (samt Protestdemo und Partnertausch) setzt, werden Wagners Handlungsbrü­che logisch erklärt. Dass man sich so schnell ver- wie entliebt, ist schließlich das Privileg der Jugend. Auch Assoziationen an Musils «Törleß» kommen auf, da sich die Schüler in willkür­licher Autonomie selbst zu verwalten scheinen.
Vor allem aber ist die Produktion eine Plattform für den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Magazin, Seite 29
von Frank Piontek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Business oder Kunst?

Bis zu zweiundzwanzigtausend Zuschauer fasst die Arena di Verona, wenn man es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau nimmt. Diese Besucherzahl erreicht man ­allerdings nur in Ausnahmefällen, mit besonders zugkräftigen Werken. Interessant ist dennoch, dass die Arena bereits dann kostendeckend arbeiten kann, wenn lediglich eine Auslastung bis zu viertausend...

Mal so, mal so

Es herrschte wieder Kampf um Wien zur Zeit, da dieser Beitrag geschrieben wurde. Im Oktober standen Wahlen an, und die auch durch die EU-Beitrittsverhandlungen geförderte Erinnerung an die historischen Auseinandersetzungen Wiens mit den Türken waren ein zentrales Thema. Doch was sind Parolen wie etwa «Deutsch statt Nix versteh’n» (der Freiheitlichen) gegen Johann...

Idylle mit Schäfchenwolken

Die Krise des CD-Marktes verschont auch die Opern Richard Strauss’ nicht: Obwohl gerade die Spätwerke wie «Die Ägyptische Helena», «Daphne» und «Danae» seit einigen Jahren eine Renaissance auf den Bühnen erleben, ist davon auf CD nur wenig zu spüren. Selbst Christian Thielemann, der wohl profilierteste Strauss-Dirigent unserer Tage, durfte bislang noch keine...