Partnertausch und Schulverweis
Wagner im Klassenzimmer – die Idee hatte zuerst Peter Konwitschny, als er in Hamburg «Lohengrin» inszenierte. Auch im «Liebesverbot» geht es um die Jugend, konkret: um den Widerstreit jugendlicher Anarchie mit den Gesetzen der Sittenwächter. Ob das Stück, das Wagners Periode des «Jungen Deutschland» spiegelt, auch unter gänzlich veränderten Moralgesetzen aktuell ist, beantwortet Regisseur Georgios Kapoglou eindeutig mit «Ja».
Die Produktion des Festivals Junger Künstler Bayreuth konnte – dreißig Jahre nach einer ersten «Liebesverbot»-Produktion am Fuße des Hügels – ohne viel Schnickschnack beweisen, dass Wagners Jugendstück nicht allein aufgrund seiner unbekümmerten, stellenweise auch schon «echt Wagner’schen» Musik gespielt werden muss.
Indem der Regisseur die Handlung in die Zeit der sexuell befreiten Seventies (samt Protestdemo und Partnertausch) setzt, werden Wagners Handlungsbrüche logisch erklärt. Dass man sich so schnell ver- wie entliebt, ist schließlich das Privileg der Jugend. Auch Assoziationen an Musils «Törleß» kommen auf, da sich die Schüler in willkürlicher Autonomie selbst zu verwalten scheinen.
Vor allem aber ist die Produktion eine Plattform für den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» abgeklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und...
Aus Werbezwecken formuliert es das Koblenzer Theater ein bisschen brüsk: Im Internet firmiert «King Arthur» dort salopp als ältestes Musical überhaupt. Das ist – so zeigt die Inszenierung von Intendantin Annegret Ritzel zum Saisonauftakt – keineswegs als Beleidigung des Stückes gemeint: Gemeint ist vielmehr das Zusammenspiel aller Sparten des kleinen Theaters am...
«Das Schicksal hier in Bonn», schrieb Beethoven 1787, «ist mir nicht günstig» und verließ die Rheinstadt in Richtung Wien. Doch seit den Plänen für ein Beethoven-Denkmal im Todesjahr des Komponisten versucht man dort, die Dinge zu verbessern. So im Ringen um Beethovens Schmerzenskind «Fidelio», für den etwa Nikolaus Lehnhoff 1983 anstelle der Dialogtexte auf die...
