Großes Klangkino
Das Schicksal ist zur Marke verkommen: Auf den Shirts von Manon Lescaut und Renato Des Grieux prangt das Wort «Destino». Will sagen: Bei der Liebe auf den ersten Blick richtet sich das Auge nicht mehr auf den Körper, sondern aufs Design. Stilistisch passt es zusammen, die Erotik wird sich schon einstellen. Dass es dann doch nicht gut geht, liegt vor allem am Markenfetischismus des Geldbeutels, dem sich auch Manon nicht zu entziehen vermag.
Puccinis Oper, die ihren Namen im Titel trägt, spielt am Theater Heidelberg im Mafiamilieu.
Zwielichtige Herren mit Sonnenbrillen verzocken ihr Geld in einem unter Straßenniveau liegenden Spielkeller. Oben liegt das Hotel, in dem das weibliche Fleisch vertickt wird, wo Lescaut (heldenbaritonal schön singend: Giorgos Kanaris) seine Schwester an den schmierigen Obermafioso Geronte (knarzig tönend: Wilfried Staber) verkauft. Die vor dem Spielklub lungernde Jugend möchte gern Teil dieser faszinierenden Halbwelt sein, muss sich aber mit musikalischen Unterhaltungsnummern begnügen, eine Art Gangnam-Style im Puccini-Rhythmus. Allerdings knirscht es im Gebälk, wenn die Lyrik von Des Grieux mit Puccinis Musik als Hip-Hop-Gezappel ausgeführt wird.
Dagegen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Er war ein Opern- und Orchesterdirigent von signifikanter Herkunft und kompromissloser Geradlinigkeit des Denkens. Christoph von Dohnányi wurde am 8. September 1929 in Berlin in eine Familie hineingeboren, die kulturellen Reichtum und politische Tragik gleichermaßen in sich vereinte. Durch den Großvater, den weltweit anerkannten ungarischen Pianisten und...
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