Großer Grenzverkehr

Marc Clémeur hat die Opéra national du Rhin zu einem europäischen Haus gemacht. Jetzt verabschiedet sich der Intendant aus Strasbourg, Mulhouse und Colmar

Opernwelt - Logo

Es war ein festes Ritual. Premierenabend für Premierenabend stand Marc Clémeur neben dem Tisch mit den Ehren- und Pressekarten, begrüßte Gäste, nickte allen freundlich zu. Der Hausherr beim Defilee. Ein schöner, familiärer Brauch an der Opéra national du Rhin, der vor allem eines signalisierte: Wir sind ein kleines, aber feines Haus.

Seit der Spielzeit 2009/10 war der Flame Intendant an Frankreichs östlichstem Opernhaus. Bis zur Staatsgrenze sind es vom zentralen Spielort an der Straßburger Place de Broglie gerade mal zehn Autominuten.

Weil sich auch die anderen beiden Spielstätten in Colmar und Mulhouse unweit vom Nachbarn Deutschland befinden, leitete Clémeur seine Ära gleich mit dem Leitmotiv «Ein Opernhaus mitten in Europa» ein – und mit der Neuerung von Übertiteln in französischer und deutscher Sprache.

Unter seiner Ägide erfuhr die Opéra national du Rhin verstärkte Medienresonanz. «Le Figaro» nahm sie 2012 zusammen mit den Opernhäusern in Lyon und Toulouse in ihr «Trio de l’excellence» auf. Clémeur hat daran erhebliches Verdienst. Nicht nur, dass er die solide Spielplangestaltung seiner Vorgänger Rudolf Berger und Nicholas Snowman fortsetzte; durch gute Sänger schärfte er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 107
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Unter Beschuss

Der Boden schwankt. Da entgleitet etwas. Bereits im ersten Takt von Alban Bergs «Wozzeck» enthüllt die Partitur das Innerste dieser Oper: Zwei Akkorde in den Streichern, durch ein Glissando verbunden, bringen Form und Inhalt auf den Punkt. «Er macht mir ganz schwindlich», grantelt der Hauptmann wenig später zu Wozzeck, und genau diesen schwindelerregenden Wahn...

Donald Gepopo

Frau Hershkowitz, Sie gehörten fünf Jahre dem Ensemble des Theaters Bremen an, bevor es Sie 2012 in die Freiheit zog. Extrovertierte Figuren scheinen Ihnen besonders zu liegen: Strauss’ Zerbinetta, Offenbachs «Hoffmann»-Frauen oder auch Bergs Lulu – ein Traum, der sich noch nicht erfüllt hat. Demnächst werden Sie wieder Ligetis wahnwitzige Gepopo aus «Le Grand...

Gegen die Zeit

1

Die wunderbare alte Schauspielerin Maria Nicklisch geriet schier aus dem Häuschen: Heute Abend gehe sie ins Werkraumtheater, dort gebe es «Dickicht der Städte», inszeniert von dem hochbegabten Peter Stein, dem ehemaligen Assistenten von Hans Schweikart und Fritz Kortner. Der sei der Beste. Ja, «Dickicht» war überhaupt umwerfend grandios. Frech, polemisch und...