Große Geste, kleiner Ertrag
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau eine schlüssige Konzeption, die über die Erkenntnis hinaus, dass Wagner mittlerweile auch in China gut angekommen ist, eine diskografische Bedeutung beanspruchen kann? Zweifel sind angebracht.
Das Hong Kong Philharmonic Orchestra, durch eine perfekte Aufnahmetechnik ins beste Licht gerückt, imponiert durchaus, aber es erzählt nicht. Der Dirigent Jaap van Zweden pflegt die imperiale Gebärde, die breiten Tempi werden nicht durch dramatische Innenspannung legitimiert. Zudem fehlt es dem Musizieren – das wird besonders im zweiten «Siegfried»-Akt deutlich – an Poesie. Das Waldweben etwa entfaltet keinen Zauber. In der «Götterdämmerung» bleibt der orchestrale Prunk oberflächlich. Siegfrieds Rheinfahrt klingt wenig imaginativ, der Trauermarsch dafür pompös, ohne echtes Pathos.
Gerade bei einem so komplexen Werk wie dem «Ring» ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta
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