Dringend benötigt
Der Mann mit dem Fliegenbärtchen, polternd die Forrsäähung beschwörend; dazu eine Riege Kuchen mampfender, gleichwohl hingerissener Damen, die ihn «als Messias lieben»: Skurril-komisch wie aus Chaplins «The Great Dictator» mutet diese Szene des Auftritts Hitlers 1931 in einer Münchner Konditorei an, die Karl Lustig-Prean, ein ehemaliger Direktor der Wiener Volksoper, da beschreibt. Wenn sie angesichts der historischen Realität nicht so beklemmend wäre.
Marie-Theres Arnbom zitiert sie in ihrem Buch «Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt», das anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Wiener Volksoper erschienen ist. Ein Anfall grimmigen Humors in einer Publikation, die sonst keinen Anlass für Scherze bietet, werden doch die Schicksale der hier engagierten jüdischen Künstlerinnen und Künstlern nach Österreichs «Anschluss» im März 1938 untersucht.
Konnte der Mensch je über seinen Schatten springen? Kein Zufall, dass die diesmaligen Weihnachts- und Neujahrs-Botschaften von Papst Franziskus, Queen Elizabeth, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Kanzlerin Angela Merkel einen gemeinsamen Nenner zu haben schienen: den beinahe händeringenden Versuch, jenen gegenseitigen ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
Man hätte sich schon hinter den sieben Bergen verstecken müssen, tief in einer Höhle, in mönchischer Klausur. Nur so wäre einem im vergangenen Jahr der 100. eines gewissen Komponisten entgangen. Für den Fall, dass Sie zu den der Welt Abhandengekommenen gehören und nun auf wundersame Weise ein Exemplar dieser «Opernwelt»-Ausgabe vor Augen haben: Es ging um Leonard...
Verdis Opern aus den von ihm selbst so genannten «Galeerenjahren», geprägt von einem patriotischen, oft kriegerischen Duktus, stellen für das heutige Musiktheater eine große Herausforderung dar, zumal in szenischer Hinsicht. Auch in Italien suchen immer mehr Regisseure Antworten jenseits illustrativer Arrangements. Drei neuere, auf DVD dokumentierte Arbeiten legen...
