Die Partitur als Stadtplan

Kritische Neueditionen von Erich-Wolfgang Korngolds «Toter Stadt», Paul Hindemiths «Mathis der Maler» und einer Rarität: Eduard Tubins «Barbara von Tisenhusen»

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Die Frage lässt sich wohl kaum intuitiv beantworten und hat mit persönlichem Geschmack wenig zu tun: Machen die Musiker wirklich das, was der Komponist sich vorgestellt hat? Auch der Blick in den Klavierauszug gibt nur pauschal Auskunft. Um hier tiefer einzudringen, bedient sich der an vielschichtigem Verstehen interessierte Hörer dessen, was der Dirigent unbedingt benötigt: der Partitur.

Mag darin, wie Gustav Mahler einmal spöttisch anmerkte, «alles stehen, nur das Wesentliche nicht», so kann man dort nicht nur überprüfen, wo gekürzt wurde, sondern auch, ob die Temporelationen stimmen, wie die Dynamik der Instrumente gedacht ist und vieles mehr. Es ist wie bei einem Stadtplan, der uns zeigt, in welcher Gasse wir uns gerade befinden.

Einen solchen «Stadtplan« gibt es nun auch für Erich Wolfgang Korngolds Traum-Oper  «Die tote Stadt». Aufgrund des anhaltenden Erfolgs dieses bei den parallelen Uraufführungen in Köln und Hamburg 1920 enthusiastisch aufgenommenen, dann aber in Vergessenheit geratenen Bühnenwerks frei nach Georges Rodenbachs symbolistischem Roman «Bruges-la-Morte» entschied sich der Schott-Verlag, die gesamte Partitur (und damit auch das vollständige ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Christoph Schlüren

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