Grenzenlose Neugier
Am 2. April 2011 wäre der Schweizer Musikwissenschaftler und Publizist Theo Hirsbrunner achtzig Jahre alt geworden. Er starb wenige Monate vorher. Seit seiner Studienzeit, als von vernetztem Denken und «Kulturtransfer» noch nicht die Rede war, beschäftigte er sich mit neuer und neuester französischer Musik, aber auch mit Richard Wagner, Janácek und vielen anderen.
In seinen Büchern – unter anderem zu Debussy, Ravel, Strawinsky, Messiaen und Boulez – nehmen die meisterhaft skizzierten geistes- und kulturgeschichtlichen Hintergründe nicht weniger Raum ein als musikalische Detailanalysen. Der Sammelband zur «Musikgeschichte zwischen den Kulturen» entstand als Festschrift zu Theo Hirsbrunners 80. Geburtstag.
Die zwanzig Beiträge spiegeln noch einmal seine immer wache Neugier und Bereitschaft, sich abseits ausgetretener Pfade musikwissenschaftlicher Forschung zu bewegen: von der Geschichte der Schweizer Arbeiter-Gesangvereine um 1900 (Hartmut Krones zu österreichischen Quellen) bis zum «musikalischen Transfer zwischen Neuer Musik und Popmusik» (Simone Hohmaier kommentiert repräsentative Beispiele). Es passt ins Bild, dass von den Komponisten, denen Hirsbrunner Monografien gewidmet hat, ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | Bücher, Seite 37
von Albert Gier
«Der König tanzt» («Le Roi danse») – Gérard Corbiaus Film über das Musikleben im Versailles Ludwigs XIV. rückt mit größter Selbstverständlichkeit das Ballett ins Zentrum. Ludwigs politischer Kontrahent, der Habsburger Leopold I., war ein schlechterer Tänzer, aber ein besserer Musiker als der Franzose: Er spielte Cembalo und Geige und komponierte selbst, vor allem...
Dieses Heft berichtet, unter anderem, vom Spielzeitauftakt zwischen Berlin, London und New York. Und es schließt – das freut uns, war aber nicht vorherzusehen – an viele Aspekte an, die im Jahrbuch «Oper 2011» dominierten. Zunächst setzt sich einfach eine Tendenz fort: Köln und Frankfurt, derzeit die mutigsten und ideenreichsten Opernhäuser in Deutschland, wagen...
Seit vielen Jahren wird Verdis «Maskenball» vor allem als «politisches» Stück inszeniert. Doch dass in der (von der Zensur kassierten) Urfassung des Librettos der Schwedenkönig Gustav III. ermordet wird, ist für die Handlung eigentlich ohne Belang. In Dresden griff man nun auf die Fassung der Uraufführung (Rom, 1859) zurück, die das Geschehen nach Amerika verlegt....
