Brot gegen Wagner
Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt vielversprechend: «Die große Bäckereiattacke». Das verheißt Krimispannung, Oper als Action-Kino mit Musik. Grotesk beginnt es.
Da liegt der Bäcker, Kommunist und Richard-Wagner-Enthusiast nach der Arbeit auf seinem Ruhekissen und hört: Wagner. Zwei junge Burschen, die fürchterlichen Hunger haben, dringen bei ihm ein und fordern Brot. Der Bäcker bietet einen Deal an: Brot gegen das Mitanhören «seiner» Wagner-Musik. Dass die beiden Hungerleider unter den «Tannhäuser»-Klängen ebenso leiden wie der Sangesritter in der Oper, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.
Wagner-Klänge ertönen auch zum Schluss. Da müssen sieben vermummte Helden zu «Götterdämmerungs»-Zitaten in die qualmende Walhallburg einsteigen, die hier nichts anderes ist als der Backofen. Aus solchen Anspielungen ergeben sich immer wieder komische und groteske Augenblicke, ...
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Ein Knall, ein Fall. Als man den Einschlag einer Bombe hört, rauscht der vor dem Orchestergraben hochgezogene Vorhang zu Boden und enthüllt den Besuchern im Parkett, was die in den oberen Rängen, für die das Tuch nicht die ganze Bühne verhüllte, schon wussten: dass das Orchester bei diesem «Nabucco» sich oben befindet, auf einer Tribüne über einer länglichen Box....
Nehmen Sie überhaupt alles so, wie wenn es sich vor zwei oder drei Jahren irgendwo zwischen Moskau und Neuyork zugetragen hätte», riet Hugo von Hofmannsthal seinem Partner Richard Strauss bei einem Konzeptionsgespräch zur gemeinsamen Oper «Die ägyptische Helena». Zwanzig Jahre nach ihrer Zusammenarbeit an «Elektra» wollte der Dichter den Komponisten noch einmal für...
Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in...
