Brot gegen Wagner

Luzern, Mochizuki: Die große Bäckereiattacke

Opernwelt - Logo

Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt vielversprechend: «Die große Bäckereiattacke». Das verheißt Krimispannung, Oper als Action-Kino mit Musik. Grotesk beginnt es.

Da liegt der Bäcker, Kommunist und Richard-Wagner-Enthusiast nach der Arbeit auf seinem Ruhekissen und hört: Wagner. Zwei junge Burschen, die fürchterlichen Hunger haben, dringen bei ihm ein und fordern Brot. Der Bäcker bietet einen Deal an: Brot gegen das Mitanhören «seiner» Wagner-Musik. Dass die beiden Hungerleider unter den «Tannhäuser»-Klängen ebenso leiden wie der Sangesritter in der Oper, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.

Wagner-Klänge ertönen auch zum Schluss. Da müssen sieben vermummte Helden zu «Götterdämmerungs»-Zitaten in die qualmende Walhallburg einsteigen, die hier nichts anderes ist als der Backofen. Aus solchen Anspielungen ergeben sich immer wieder komische und groteske Augenblicke, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mezzomanie

 Elina Garanca – so hat sie es jüngst in dieser Zeitschrift erklärt – möchte keine Diva sein. Als eine solche aber wird sie, in Kleidern von Escada und Schmuck von Cartier, von ihrem Platten-Label im Booklet ihrer neuesten CD präsentiert. Dem Beispiel von La Bartoli folgend konzentriert sie sich im klug komponierten Programm auf Belcanto-Opern von Rossini...

Mehr als die Stimme seiner Meister

Zwischen Komponisten und Interpreten hat es vielfältige Symbiosen gegeben. Man denke an die tenorale Attraktivität Richard Taubers für Franz Lehár. Erst recht wären einige Werke Benjamin Brittens nicht ohne die Partnerschaft mit dem Tenor Peter Pears entstanden. Und Dietrich Fischer-Dieskau ist als Bariton-Charakter durch Henzes «Elegie für junge Liebende» und...

Stille Größen

Zum Tod von Róbert Ilosfalvy

 

 

Unter den Tenören seiner Generation tat sich der Ungar Róbert Ilosfalvy durch sein emotionales Engagement und die Wärme seines Tons besonders hervor, was ihn vor allem zum Protagonisten in Puccinis Opern prädestinierte. Nach seinem Debüt als Hunyadi László in Ferenc Erkels gleichnamiger Oper (1954) stieg er rasch zu einem der ersten...