Mehr als die Stimme seiner Meister
Zwischen Komponisten und Interpreten hat es vielfältige Symbiosen gegeben. Man denke an die tenorale Attraktivität Richard Taubers für Franz Lehár. Erst recht wären einige Werke Benjamin Brittens nicht ohne die Partnerschaft mit dem Tenor Peter Pears entstanden. Und Dietrich Fischer-Dieskau ist als Bariton-Charakter durch Henzes «Elegie für junge Liebende» und Reimanns «Lear» in die Operngeschichte eingegegangen. Nicht vergessen werden darf auch der Bassbariton William Pearson in seiner identifikatorischen Funktion fürs experimentelle Musiktheater Henzes, Kagels und Ligetis.
Doch auch die Generation danach hatte ihren pionierhaften Opern-Protagonisten – den englischen Bariton Richard Salter. Von seinen Anfängen her hätte man dies nicht unbedingt vermutet. Begonnen hatte er als Gründungsmitglied (1968) der legendären King's Singers. Aus dieser später kommerzialisierten A-cappella-Sphäre löste sich Salter bald heraus, um zur charismatischen Figur radikaler Opern-Moderne zu werden. Wobei es womöglich gerade seine Herkunft aus der Madrigal-Kammermusik war, die ihn zur Bühnen-Avantgarde brachte. Natürlich hat er wichtige Partien seines Fachs auch an größeren Häusern gesungen: Mit seinem ...
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Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina...
Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil...
Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
