Gott im Sinkflug
Vielleicht funktioniert er doch, der Weg, den Andreas Homoki, der Intendant der Oper Zürich, für die Inszenierung von Richard Wagners «Ring des Nibelungen» an seinem Haus eingeschlagen hat. Nicht ein weiterer Deutungsversuch der Tetralogie, nicht eine neuerliche Transposition der Geschichte in eine Lebenswelt, die uns näher scheint als jene der Vorlage, möchte man auf die Bühne bringen, im Vordergrund soll vielmehr die Sache selbst stehen, der Text und seine Spiegelung in der Musik – das ist die Ambition im neuen Zürcher «Ring».
Ein werkimmanenter Zugang, der auf Skepsis stieß, weil er aus der Zeit zu fallen, jedenfalls der dominierenden rezeptionsgeschichtlichen Tendenz zu widersprechen schien. Und der sich im «Rheingold» Ende letzter Saison noch nicht als der Weisheit letzter Schluss erwies. In der «Walküre» wirkt der Ansatz jedoch klar, anregend und ausgesprochen berührend.
Die von Christian Schmidt entworfene Ausstattung geht vom gleichen Muster aus wie im «Rheingold». Auf beiden Seiten einer Trennwand zeigt die Drehbühne zwei Spielorte. In ihrer Anmutung sind sie erkennbar in der Entstehungszeit der Tetralogie verankert. Was es zur Entfaltung der Geschichte braucht, ist ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Peter Hagmann
Im Foyer steht der Katafalk mit einem über und über von Kränzen bedeckten Sarg. Statisterie und Chor haben sich unter die Premierengäste gemischt und betreten nun nach und nach die weit in den Saal hineingezimmerte Bühne. Lorenzo Fioroni richtet bei Brittens «War Requiem» ein Begräbnis aus. Wer da genau begraben wird, bleibt offen. Aber gemessen an den Honoratioren...
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr...
Eigentlich hatte das Jahr gut angefangen für George Frideric Handel, wie ihn die Londoner nannten. Die Uraufführung seiner Oper «Orlando» Ende Januar war ein veritabler Erfolg gewesen, auch das im März aus dem Taufbecken gehobene Oratorium «Deborah» hatte das kritische Publikum wohlwollend aufgenommen. Doch kaum wagten sich die ersten Frühlingsstrahlen auf die...
