Das pure Vergnügen

Raff: Samson WEIMAR | NATIONALTHEATER

Opernwelt - Logo

Im Deutschen Nationaltheater Weimar lässt es die Opernsparte zum Spielzeitauftakt so richtig krachen. Am Ende der Uraufführung von Joachim Raffs «Samson» stürzt ein Tempel ein – und begräbt das gesamte Personal unter sich.

Der biblische Titelheld rächt sich so für die erlittene Demütigung. Seine Wandlung vom brutalen Kriegsherrn und Eroberer zum kompromissbereiten Liebenden, die er – gemäß der biblischen Vorlage und den Usancen des Genres – vor allem der gegnerischen Königstochter Delilah wegen vollzog, hat ihm nichts gebracht.

Seine eigenen Leute halten ihn für einen Verräter, und die bezwungenen Philister stimmten einem Diktatfrieden nur zu, um ihn zu vernichten. Nach einem priesterlichen Machtwort, das die Bedenken des Königs übertönt, wird Samson gefangengenommen, geblendet und eingesperrt. Delilah hilft in dieser Variante der Geschichte nur, weil sie hinters Licht geführt wurde – und geht bewusst mit ihm in den Tod. 

Trotz der im Stück vorkommenden Brutalitäten ist Calixto Bieitos körperbetonte, in der Personenregie präzise Inszenierung im holzgetäfelten Einheitsraum mit absenkbarer und schließlich durchbrechender Decke nicht das eigentlich Spektakuläre. Bieto bleibt mit den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Joachim Lange

Weitere Beiträge
Gott im Sinkflug

Vielleicht funktioniert er doch, der Weg, den Andreas Homoki, der Intendant der Oper Zürich, für die Inszenierung von Richard Wagners «Ring des Nibelungen» an seinem Haus eingeschlagen hat. Nicht ein weiterer Deutungsversuch der Tetralogie, nicht eine neuerliche Transposition der Geschichte in eine Lebenswelt, die uns näher scheint als jene der Vorlage, möchte man...

Märchenhaft

Hoch über dem Tal ragen die baumbewachsenen Sandsteinfelsen der Bastei in den Abendhimmel, unten überwuchert sattgrünes Moos das Gestein, und mittendrin: Theater. Vielleicht treffen nirgendwo in Deutschland Natur und Kunst so nahezu plakativ schön aufeinander wie in der Felsenbühne Rathen.

Angelegt in den 1920er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg Ort der...

Waldeinsamkeit

Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den...