Das pure Vergnügen
Im Deutschen Nationaltheater Weimar lässt es die Opernsparte zum Spielzeitauftakt so richtig krachen. Am Ende der Uraufführung von Joachim Raffs «Samson» stürzt ein Tempel ein – und begräbt das gesamte Personal unter sich.
Der biblische Titelheld rächt sich so für die erlittene Demütigung. Seine Wandlung vom brutalen Kriegsherrn und Eroberer zum kompromissbereiten Liebenden, die er – gemäß der biblischen Vorlage und den Usancen des Genres – vor allem der gegnerischen Königstochter Delilah wegen vollzog, hat ihm nichts gebracht.
Seine eigenen Leute halten ihn für einen Verräter, und die bezwungenen Philister stimmten einem Diktatfrieden nur zu, um ihn zu vernichten. Nach einem priesterlichen Machtwort, das die Bedenken des Königs übertönt, wird Samson gefangengenommen, geblendet und eingesperrt. Delilah hilft in dieser Variante der Geschichte nur, weil sie hinters Licht geführt wurde – und geht bewusst mit ihm in den Tod.
Trotz der im Stück vorkommenden Brutalitäten ist Calixto Bieitos körperbetonte, in der Personenregie präzise Inszenierung im holzgetäfelten Einheitsraum mit absenkbarer und schließlich durchbrechender Decke nicht das eigentlich Spektakuläre. Bieto bleibt mit den ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Joachim Lange
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Wagner, «Die Walküre,» «Wotans Abschied» – während und als ich fertig war mit Singen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Fußdistanz (mit genügend Abstand) zu meinem Zuhause.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Tolle Kollegen, gute Kantine – und öfter mal das große «Ommm» anstimmen.
Welche Oper halten...
Würde diese Oper nur wenige Minuten dauern, sie wäre ein Meisterwerk. Denn während dieser Zeit hört man den Chor der Geister, von links und rechts, respektive vorne und hinten (das Publikum sitzt verteilt auf einem Tribünen-L). Man hört ein Flüstern und Raunen, genau geführt, genau notiert, das klingt, als spräche, sänge der Wind, als wehten Worte durch den Raum,...
Vorab die Frage der Fassung: Modena, 1886. Eine kluge Wahl. Denn Modena war Verdis letztes Wort in einer (siebenteiligen) Causa, die komplizierter klingt als sie ist. Den (fünfaktigen) «Don Carlos» schrieb er für Paris und die dortigen Usancen, den (vieraktigen) «Don Carlo» für sein Heimatland. Dass die italienische Version vorzuziehen ist, lässt sich in jeder...
