Das pure Vergnügen
Im Deutschen Nationaltheater Weimar lässt es die Opernsparte zum Spielzeitauftakt so richtig krachen. Am Ende der Uraufführung von Joachim Raffs «Samson» stürzt ein Tempel ein – und begräbt das gesamte Personal unter sich.
Der biblische Titelheld rächt sich so für die erlittene Demütigung. Seine Wandlung vom brutalen Kriegsherrn und Eroberer zum kompromissbereiten Liebenden, die er – gemäß der biblischen Vorlage und den Usancen des Genres – vor allem der gegnerischen Königstochter Delilah wegen vollzog, hat ihm nichts gebracht.
Seine eigenen Leute halten ihn für einen Verräter, und die bezwungenen Philister stimmten einem Diktatfrieden nur zu, um ihn zu vernichten. Nach einem priesterlichen Machtwort, das die Bedenken des Königs übertönt, wird Samson gefangengenommen, geblendet und eingesperrt. Delilah hilft in dieser Variante der Geschichte nur, weil sie hinters Licht geführt wurde – und geht bewusst mit ihm in den Tod.
Trotz der im Stück vorkommenden Brutalitäten ist Calixto Bieitos körperbetonte, in der Personenregie präzise Inszenierung im holzgetäfelten Einheitsraum mit absenkbarer und schließlich durchbrechender Decke nicht das eigentlich Spektakuläre. Bieto bleibt mit den ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Joachim Lange
Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich majestätisch während der Ouvertüre auf einer transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs «Conqueror Cruises», auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das...
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde,...
Die Augen, die Wangenknochen, die Bewegungen – es könnte eine Enkelin von Cher sein, gesegnet mit einer Stimme, hell, höhensicher, schlank, mit apartem Vibrato, die für Susanna oder Cleopatra taugt. Doch die Frau ist ein Kerl, wie alle hier, somit authentisch: Zur Zeit der Uraufführung 1729, als die Geistlichkeit ihre Mätressen schwängerte, verbot sie gleichzeitig...
