Goldenes Handwerk
Alles fiel bei diesem Debüt im Sommer 1972 zusammen. Erstmals stand Bernd Weikl auf der Bayreuther Bühne, als Wolfram, in einer Partie also, die maßgefertigt war für seinen lyrisch sozialisierten Bariton. Und dies auch noch in Götz Friedrichs umkämpfter Deutung von Wagners «Tannhäuser», die den Grünen Hügel endgültig in die Regie-Gegenwart katapultierte. Wir wissen nicht, wie Weikl später, ohne die naturgemäß schwächere Position des Neulings, über eine solche Inszenierung geurteilt hätte, ob er nicht vielleicht sogar während der Proben ausgestiegen wäre.
Damals jedoch horchte alle Welt auf. Das Ergebnis: ein Vierteljahrhundert Bayreuth bis zur Krönungsrolle seiner Karriere, bis zum Hans Sachs, den er dort ab 1981 riskierte.
Weikl und die Regie, das war so eine Sache. Dabei fühlte sich der gebürtige Wiener, der im Bayerischen Wald aufwuchs, missverstanden. Nicht um Kapricen und Allüren ging und geht es ihm, sondern ums Handwerk. Man könne doch, so sein ceterum censeo, Sängern nicht Dinge abverlangen, die sie von der Ausübung ihres Berufs abhalten. «Ich habe ja relativ früh aufgehört, auch weil man nicht mehr sängergerecht inszenierte», sagte er einmal im persönlichen Gespräch. ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
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