Goldene Mitte

Vor vier Jahren hieß es, sie sei von der Bühne abgetreten. Doch ganz hat Dame Kiri Te Kanawa noch nicht Schluss gemacht mit dem Singen. Ein Gespräch über Vaterfiguren und Vorbilder, Fachwechsel und Fotositzungen, neuseeländisches Selbstbewusstsein, Sänger-Clips als Stilvorlage und das Leben nach der Oper

Opernwelt - Logo

Frau Te Kanawa, Sie waren eine der begehrtesten Sängerinnen der Achtziger- und Neunzigerjahre. Sie hätten allen Grund, in Ihre eigene Stimme «verliebt» zu sein. Sind Sie es?
Ach, dafür war es zu viel Arbeit. Ich musste mich immer zu sehr um meine Technik kümmern. Das war entscheidend für alles andere. Ich denke schon, dass man ein positives, emotionales Verhältnis zur eigenen Stimme braucht. Aber Liebe? Das muss ich dem Publikum überlassen.

Ihre Mutter war Irin, Ihr Vater Maori.

Welchen Effekt hatte diese Mischung auf Ihr Temperament?
Mein Vater war sehr sanft und liebenswürdig. Immer sehr gut gekleidet. Ein Gentleman. Bei meiner Mutter dagegen sprühten die Funken. Er war ruhig, sie nicht so. Zwischen diesen Gegensätzen habe ich eigentlich die Mitte eingenommen. Auch später als Sängerin. Ich war kein Vulkan. Aber auch keine Schlaftablette.

Außerdem waren Sie die erste bedeutende Sängerin Neuseelands – nachdem aus Australien bereits Nellie Melba und Joan Sutherland gekommen waren.
Ganz früher gab es schon eine unglaublich gute Sängerin, deren Name mir aber, ich muss es zugeben, nicht mehr einfällt. Sie kam bis zum hohen E. Dafür habe ich sie bewundert und beneidet. Ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Was kommt...

«Don Carlo» in Salzburg
Starbesetzung für ein komplexes Werk: Verdis «Don Carlo» bei den Salzburger Festspielen mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann. Es dirigiert Antonio Pappano, Regie führt Peter Stein. 
 

Ruhrtriennale
Bilder mit Musik: Robert Wilson inszeniert Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern», Heiner Goebbels (Foto) die europäische Erstaufführung von...

Zurück auf Start

 Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht...

Mozart am Hakenkreuz

Die politische Geschichte der Salzburger Festspiele zwischen 1933 und 1944 bietet Anschauungsmaterial dazu, wie käuflich Kunst und Musik sind und wie opportunistisch Künstler und Musiker sich verhalten können, wenn sie von den Mächtigen hofiert oder in Beschlag genommen werden. Der etwas akademisch klingende Buchtitel des Salzburger Universitätshistorikers Robert...