Götter und Kekse
Götter mögen keine Kekse. Deshalb bringen die Menschen in den Longshan-Tempel Äpfel mit, auch Bananen, Papaya und Blumen. Viele der Götter, die hier versammelt sind, scheinen gemischte Teller zu bevorzugen: Je bunter die Opfergaben, desto bereitwilliger werden Gebete erhört. Kekse gibt es trotzdem – zur Stärkung der Gläubigen und zur Stärkung der Tempelkasse. Wer sich einer Gottheit erfolgreich nähern will, tut das mit gesenktem Haupt, vielen Verbeugungen und mindestens einem Räucherstäbchen.
Vor der Göttin der Barmherzigkeit ist kein Durchkommen, so viele Verbeuger samt Stäbchen und Herzensanliegen haben sich eingefunden. Touristen, die einfach nur blitzen, was als heilig gilt, erzürnen die Göttin offenbar nicht. Sie lächelt selig – wie seit 250 Jahren. Dafür fauchen vom Dach knallfarbige Dämonen. Andere Götter in anderen Gebäuden des Tempels schauen grimmig drein. Der Gott der Polizei zum Beispiel, der allerdings nicht viel Zulauf hat. Der Gott der Bauern ist auch für die Pflanzenheilkunde zuständig. Er wirkt robust und hat eine Wampe. So viele Götter und Glaubensarten gibt es in Taiwan, dass Religionsunterricht in den Schulen flachfällt. Jeder glaubt, was und wie er will oder ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Reportage, Seite 58
von Stephan Mösch
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Einen historischen Lidschlag vor Monteverdi wurde in der römischen Valicellakirche ein Werk von Emilio de Cavalieri uraufgeführt, in dem die ferne Nachwelt einen der Haupt-Vorläufer der im Werden begriffenen Gattung Oper erkannte. Zum Heiligen Jahr 1600 präsentierten der Komponist und sein geistlicher Textdichter Agostino Manni mit der «Rappresentazione di anima e...
Was an Francesco Provenzales neapolitanischer Buffa «La Stellidaura vendicante» («Die sich rächende Stellidaura», 1674) fasziniert, ist neben der punktuell eleganten instrumentalen Umsetzung der nur skizzenhaft notierten Musik (Gesang und Bass in den Vokal-, dreistimmiger Satz ohne Instrumentationsangaben) durch die Academia Montis Regalis der Umstand, dass es ein...
