Glücksfalten auf meiner Stirn
Die Erinnerung ist ein seltsames Tier. Manchmal, meist in der Nacht, steht sie fauchend und zähnefletschend vor mir, so als wolle sie mich gleich zerreißen; das sind die Augenblicke, in denen ich mich, in Schweiß badend, vor ihr fürchte. Manchmal ist sie hingegen wie eine sprießende Blume, und plötzlich sieht die Welt um mich herum so unfassbar schön aus; das sind die Augenblicke, aus denen ich meine Kraft schöpfe, auch die literarische.
Marcel Proust, den ich immer sehr verehrt und dessen megalomanes Opus «À la recherche du temps perdu» ich schon drei Mal gelesen habe, nannte die Botin des Unbewussten eine memoire involontaire, etwas Ungefähres, vage Aufscheinendes, etwas, das unvermittelt einfach da ist, als Körper, als Bild, als Klang. Wie das Leben selbst.
Als ich von der «Opernwelt» darum gebeten wurde, meine Frankfurter Erlebnisse aufzuschreiben, fiel mir Proust natürlich wieder ein. Es ging darum, sich zu erinnern, an zehn Monate meines Lebens, die ich am Main gewohnt, gelebt und, ja, auch geliebt habe, vor allem an all die Abende, an denen ich in der Oper Aufführungen besucht habe. Und das waren so viele, dass die Bilder davon sich überlappen, wie bei einem Palimpsest, und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Olga Myschkina
Ein hochsommerlicher Tag in Dresden. Gefühlt 30 Grad. Immerhin säuselt, fast unhörbar, ein Wind durch die Bäume am Straßenrand. Es ist eine auf den flüchtigen Blick angenehm ruhige Gegend, zehn Straßenbahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Lydia Steier wohnt. Doch der Schein trügt. Draußen vor der Tür hängen die Plakate für die Sachsen-Wahl, leider auch...
Der Essay ist schon etwas in die Jahre gekommen, von seiner Aktualität aber hat er nichts eingebüßt. 1965 war es, als Susan Sontag sich in ihrem Text «Gegen Interpretation» mit der Frage beschäftigte, welchen Wert die Kunst habe (haben solle, ja, haben müsse) und was sie auszurichten imstande sei. Neben vielen anderen klugen, hegelianisch-dialektisch geschärften...
Silvia Adler
DARMSTADT
Opernwelt
1. Die Oper Frankfurt
2. Catherina Forster als Walküre in Athen; Alyona Rostovskaya in Wiesbaden. Ihr lyrischer Sopran besitzt eine phänomenale Ausdruckskraft
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