Glücklich ist, wer das vergisst
Die Welt, zumindest die in Wien, war aus den Fugen, nach dem weithin hörbaren Börsenkrach 1873, der ein ganzes «Reich», das k. und k. habsburgische, samt seiner Erblande und der vielvölkerstaatlichen Nachbarschaft in eine tiefe Sinnkrise stürzte, nicht nur in ökonomischer Hinsicht.
Diagnostiziert wurde eine heftige, entmutigende Depression, ein veritables Wert-Vakuum (heute würde man vermutlich von einer Dystopie sprechen), eine Art zerknirschte Apokalypse, die sich in Wien, der Stadt des dekorativen Amüsements und einer dekorativen Kunstanschauung, allerdings sogleich ins Fröhliche verkehrte. Nur ein Jahr nach der Entkräftung und dem harten Aufprall vieler Individuen auf die Totalität des Seins kam im Theater an der Wien ein Werk auf die Bühne, das sämtliche Melancholie-Anfälle im Keim erstickte – Johann Strauß’ «Fledermaus». Ein Coup de théâtre war diese Operette aus der Feder von Johann Strauß (Sohn) und seiner Textautoren Karl Haffner und Richard Genée vor allem deswegen, weil sie an der Oberfläche den (nicht einmal künstlich gehobenen) Nonsens zelebrierte, subkutan aber die aus dem Börsenkrach erwachsenen Probleme weiterspann: Sowohl das zänkische Kleinbürgertum, das sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Jürgen Otten
arte
001.0. – 17.30 Uhr La Folle Journée de Nantes 2026 – Flüsse
Die Konzerte der «Folle Journée de Nantes» in der Cité des Congrès der Loire-Stadt stehen jedes Jahr im Zeichen einer bestimmten Epoche, eines Künstlers oder einer speziellen Thematik. Für das Festival 2026 nimmt die «Folle Journée de Nantes» das Publikum mit auf eine Reise um die Welt, die entlang...
Der afroamerikanische Countertenor Reginald Mobley ist in der Neuen wie in der Alten Welt aufgetreten und hat sich im Barock-Repertoire wie im Crossover einen Namen gemacht. Sein erstes, 2023 erschienenes Soloalbum «Because», das die Brücken vom Jazz zurück zu den Spirituals schlägt, wurde mehrfach preisgekrönt. Sein zweites Album mit dem Titel «Solitude» ist...
Ich formte sie, ich bildete sie, ich löste ihr die Seele und Zunge […] sie war mein Geschöpf», das stammelt der unter Mordverdacht stehende Gesangslehrer Maestro Salvatore in der frenetischen Gerichtsszene ohne Richter, mit der unvermittelt Peter Ronnefelds Oper «Die Ameise» beginnt. Das Publikum, staccato im respondierenden Doppelchor, führt sich als die...
