Glauben ohne Gott

Henderickx: The Convert (Beten – zu wem?) am Theater Bielefeld

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Sogar Hiob hat es besser getroffen. In Stefan Hertmans historisch inspiriertem Roman «Die Fremde» gibt es für die arme Vigdis keine Erlösung, das macht auch die Opernadap -tion «The Convert (Beten – zu wem?)» von Anfang an deutlich. Die Dissonanzen sind bei Wim Henderickx immer präsent, stechend, warnend. Vor allem aber tragen sie das Gepräge des Zweifels, wenn Hamoutal, wie die Hauptfigur Vigdis als Jüdin heißt, schon wieder jemandem verspricht, dass sie hier «safe» sei. Wehe dem, der irrt: Niemand ist in dieser Oper sicher.

Gott ist abwesend.

Umso präsenter jene Gebete, die der Bielefelder Opernchor mit authentischheiligem Eifer frontal ins Publikum schmettert. Virtuos kombiniert Henderickx die Vielstimmigkeit der Glaubensbekenntnisse und der Spielorte des Romans. Am Theater Bielefeld droht das Tonkonzept diese Vielseitigkeit jedoch zu erschlagen. Die (vermutlich notwendige) Verstärkung der Stimmen lässt dem Klangerlebnis kaum Steigerungsmöglichkeiten. Selbst zarte Melodien haben im ersten Akt kaum eine Chance, unter die Haut zu dringen, weil sie von der Anlage unvermittelt und drastisch in den Saal gepustet werden.

Dabei machte der 2022 verstorbene Komponist seinem Publikum ein ...

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Anna Chernomordik

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