Glänzend disponiert
Die Enttäuschung darüber, dass der von Stress und Pech verfolgte Rolando Villazón sich nicht in Baden-Baden für die Rolle des Werther würde einfinden können, war groß. Viele Besucher machten Gebrauch von dem Angebot, die Karten zurückzugeben. Sie verpassten so nicht nur eine glänzend disponierte Elina Garanca, deren Charlotte vergessen machte, dass «Werther» die Oper des Tenors ist, sondern sie ließen sich auch die Gelegenheit entgehen, Massenets subtile Nerven- und Seelenkunst in einer orchestral ausgefeilten Wiedergabe zu erleben.
Unter Leitung von Bertrand de Billy zeigte sich das Orchestre de l'Opéra de Lyon glänzend vorbereitet und blendend aufgelegt, feinnervig in der Ausleuchtung zart-intimer Gefühlsszenen wie etwa im «Clair de lune»-Duett, subtil in der Nuancierung der Tempi in den Konversationspassagen, elegant und geschmeidig in der Ausformung instrumental-solistischer Ornamente, voller Emphase in der sogenannten «Désolation» («Un autre! son époux!») wie im Ossianischen Lied («Pourquoi me réveiller?») – eine ideale Verbindung von Eleganz und Glut, die für Massenets feinste Oper charakteristisch ist.
Bitterer als für die Theaterbesucher muss der Ausfall des mexikanischen ...
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Warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Nach diesem Grundsatz scheint sich die Stadt Linz bei den Planungen für ein neues Opernhaus gerichtet zu haben. Dass am Ende dennoch alles gut und die Kapitale Oberösterreichs ein attraktives Gebäude für ihr Musiktheater bekommen wird, darf man jetzt erstmals ernstlich hoffen: Im April erfolgte endlich der erste...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Eine russische National- und Folkloreoper oder doch eher das Selbstbekenntnis eines großen Einsamen? Sandra Leupold hat in ihrer Kieler Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame» diesen letzteren Ansatz konsequent weitergedacht und das Geschehen ganz auf das Drama um den Außenseiter Hermann fokussiert, in dem die Regisseurin eine Projektion des Komponisten sieht....
