Klingende Fantastik
Alberto Ginastera, der international prominenteste Komponist Argentiniens im vergangenen Jahrhundert, war zu vielseitig, um als vermeintlich «typischer» südamerikanischer Tonsetzer mit dem klischeegerechten Aroma des rhythmisch-folkloristisch inspirierten Temperamentsmusikers wahrgenommen werden zu können. Dieser Façon entspricht am ehesten seine frühe Klaviermusik, von der auch Martha Argerich einiges vermittelte). Mehrfach ins Räderwerk der autoritären Politsysteme seines Landes geraten, ein dezidierter Anti-Peronist, sah sich Ginastera wiederholt zum Verlassen Argentiniens gezwungen.
Die frohe Selbstgenügsamkeit eines gefeierten Nationalkomponisten blieb ihm auch anderweitig versagt; als seine bis heute berühmteste Oper «Bomarzo» nach ihrer Uraufführung 1967 in Washington Furore machte, wurde die für Buenos Aires geplante Premiere vom Bürgermeister wegen drohenden «öffentlichen Ärgernisses» kurzerhand verboten. Das Werk blieb auch in Europa nicht ganz unbekannt – eine deutsche Übersetzung wurde 1970 in Kiel und Zürich gespielt (an die Kieler Version erinnert sich die Tochter Ginasteras, eine eloquente Kennerin des väterlichen Œuvres, als «schockierend expressionistisch»). Jetzt ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Hans-Klaus Jungheinrich
Der Potentat bleibt unsichtbar, vier Stunden lang. Aber man hört ihn, seine Allmacht, die sich sogar über die (vier) Vorzeichen hinwegzusetzen vermag. Magische drei Mal erklingt gleich zu Beginn Keikobads markant-düsteres as-moll-Initial; punktiert, fortissimo fällt es in den Raum, wie ein Baumstamm, aus dem heraus sich, piano, das zaghaft-zaudernd aufwärts...
Opern von Ottorino Respighi schafften es in Nordamerika selten auf den Spielplan. Die Metropolitan Opera etwa stellte ein einziges Werk vor: «La campana sommersa»– in der Saison 1928/29. Die letzte szenische Produktion in New York riskierte die Gotham Opera vor zwölf Jahren: «La bella dormenta nel bosco». Nun konnte man «La campana sommersa» dank der New York City...
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der...
