Geschlossene Gesellschaft

Cottbus, Mozart: Die Zauberflöte

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Das Cottbuser Staatstheater hat sich unlängst einen Deus ex machina zugelegt – er hört auf den Namen Tamino. Gleich nach der Ouvertüre fällt er, ein Bruchpilot mit ledernem Fliegerkäppi, vom glühbirnenflammenden Bühnenhimmel, um eine in ramponierten Beziehungskisten erstarrte Kommune aufzumischen, die man eher bei Beckett oder in der Rocky Horror Picture Show als im «Zauberflöten»-Kosmos Schikaneders und Mozarts vermuten würde.

Zum Zeitpunkt des Absturzes ist das schräge WG-Personal bereits vollzählig versammelt, stumm lungert es auf dem Sofa, auf dem Teppich und an der Wand lang, bisweilen von der vagen Hoffnung vitalisiert, irgendein Prinz oder irgendein «Event» werde es irgendwann aus dem enervierenden Stupor befreien. Doch bis Tamino endlich seinen erlösenden c-moll-Notruf «Zu Hilfe! Zu Hilfe!» absetzen darf, ­herrscht nervtötendes Schweigen.
Das sollte nicht die einzige Kunstpause einer Inszenierung bleiben, die sich keinen Deut um Isis und Osiris, um hehre Freimaurer-Mystik und feierliches Humanitäts-Pathos, ja nicht einmal um die Vorstadtschmierenkomik der Papageno-Sphäre schert, vielmehr den emotionalen Treibstoff, die Menschwerdung verkrachter Bürgerexistenzen in den Blick ...

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Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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