Gerettet und gerichtet
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die Haare schlohweiß, das Krankenhemd zerknittert, die Seele vergiftet. Und Parkinson schüttelt ihn auch noch. So kann, so will er nicht weiterleben.
Doch die Hilfe steht schon bereit, in Gestalt eines geschniegelten, existenzialistisch schwarz gewandeten (und auch so klingenden) Méphistophélès. Einsam aber ist Valentin Anikin, einziger Gast in dieser Produktion, keineswegs. Fünf identisch aussehende Gehilfen assistieren ihm, was allein schon deswegen Sinn macht, weil sie – nachdem Faust, den Kwonsoo Jeon mit stupender Expressivität singt, seinen Verjüngungstrank zu sich genommen hat – ihn still und heimlich von seiner Perücke befreien, ihm einen schicken azurblauen Anzug mit weißem Hemd überstülpen und quasi im Vorübergehen noch die schöne Margarete als Traumbild vorführen können.
Also frisch in die Welt hinein mit den beiden ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
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