Genug vom Gefiedel
Bibelfeste Erzmänner verweisen gerne auf Paulus und dessen Mahnung an das weibliche Geschlecht (im Ersten Korintherbrief, Kapitel 14, Verse 34 und 35). Verkürzt und in heutigem Macho-Jargon würde diese etwa lauten, die Frau solle die Schnauze halten und tun, was der Mann ihr sagt. Eurydice pfeift darauf. Längst hat sie genug vom Gefiedel ihres Ehegespons, also flieht sie zum Hirten Aristée recte Gott Pluton, der sie vermittels des kleinen und anschließend großen Tods, seiner Unterwelt einverleibt.
Mit «Orphée aux enfers» hat der nunmehr 200-jährige Jacques Offenbach die klassische Liebesgeschichte zu einer zeitgenössischen Scheidungsaffäre gewandelt und dadurch die Epoche des Bourgeois vollends auf die Musiktheaterbühne geholt, als Demaskierung von Schwindel und Schwindlern (inklusive Napoleon III. in der Figur des Jupiter), als fröhlich sarkastische Beleidigung des Pathos der Grand Opéra und Zuspitzung in Richtung politischer Satire. Offenbach war giftig gegenüber seinen Zeitgenossen. Und das müsste man auch heute sein, nach Möglichkeit mit scharfem Witz.
In Barrie Koskys Zurichtung im Haus für Mozart kommt der Humor indes eher aus dem – wenn auch hochprofessionell gehandhabten ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Gerhard Persché
Kinder, sagt man, können grausam sein. Sie quälen Tiere, streuen heimlich Reißzwecken auf Lehrerstühle, und manchmal vergreifen sie sich auch an ihresgleichen. Einfach so. Aus Lust, vielleicht aber schon mit dem Wissen darum, dass Macht eine geradezu magnetische Anziehungskraft besitzt. Die Szene, die sich während Ouvertüre und Introduktion zu Fromental Halévys...
Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des...
Dass der geheimnisvolle Mönch des Beginns am Ende die Königin von Spanien mit einem Baseballschläger zerschmettert, ist neu – das muss man Jens-Daniel Herzog lassen. Von Macht will der Regisseur laut Ankündigung erzählen am Staatstheater Nürnberg, was fraglos sinnvoll ist bei Giuseppe Verdis «Don Carlos» (gespielt wird die letzte Bearbeitung der fünfaktigen...
