Geliehene Sprachen
Opern nach Shakespeares «Sturm» haben derzeit Hochkonjunktur: Die Uraufführung von Thomas Adès’ Vertonung liegt noch nicht lange zurück (siehe OW 4/2004 und 1/2006), da lässt Luca Lombardi mit «Prospero» in Nürnberg die gute alte Literaturoper wieder auferstehen (Libretto: Friedrich Christian Delius).
Helmut Oehring dagegen nutzt in «Unsichtbar Land» mit dem Regisseur Claus Guth den Stoff unter Verwendung der betörenden Musik Henry Purcells und des verstörenden Expeditionsberichts über die erste, an die Grenzen von Leib und Leben gehende Durchquerung der Antarktis nurmehr als Rahmen.
Der Italiener Lombardi bietet in zweieinhalb Stunden die Essenz des Shakespeare’schen «Tempest» mit klar umrissenen Charakteren: Prospero als Bariton (enorm intensiv, attraktiv in Stimme wie Erscheinung: Hans-Christoph Begemann), dem an der Rampe ein Cello (Christoph Spehr) als Leit-Instrument beigegeben ist, Ariel als exquisites Frauen-Quartett, das ein Flötist (Roberto Fabbriciani) am anderen Rand der Bühne begleitet. Caliban ist ein Bass-Buffo (Wolfgang Newerla), dem Fagott und Kontrafagott zugeordnet sind. Fernandino, der Geliebte von Prosperos Tochter Miranda (sehr zart: Anna Gabler), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von...
Warum nicht einmal so, wie sich Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» am Luxemburger Grand Théâtre in der Fassung der Berliner Volksbühne präsentieren? Was exaltierte Musiktheaterregisseure schon alles mit der deutschsten aller deutschen Opern angestellt haben, wobei sie sich stets furchtsam an die komplette Partitur klammerten, das kann einen...
Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern....
