Geist und Gefühl
Der Bogen spannt sich von «Nabucco» zu «La Damnation de Faust». Mit einer Verdi-Premiere hatte die zehnjährige Amtszeit des Bremer GMD Markus Poschner im Oktober 2007 begonnen, jetzt endet sie mit einer musikalisch gelungenen Präsentation der Berlioz’schen Goethe-Adaption. Ein symbolträchtiger Weg, der auch die stetige Weiterentwicklung der Bremer Philharmoniker zu einem Spitzenorchester zeigt.
Als Poschner in die Hansestadt berufen wurde, hatte er sich unter den Dirigenten der jüngeren Generation bereits einen Namen gemacht.
2004 war er mit dem Deutschen Dirigentenpreis ausgezeichnet worden, seit 2006 wirkte er als Erster Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin. Auch die Liste seiner Bremer Vorgänger, darunter Heinz Wallberg, Hans Wallat und Peter Schneider, kann sich sehen lassen. So waren die Erwartungen hoch, als der «Neue» erstmals ans Pult trat.
Man hat Poschner als Analytiker bezeichnet, ihm aber auch hohen Klangsinn bescheinigt. Dem frühen Verdi nahm er den Potpourri-Charakter, legte stattdessen Strukturen offen. Bizets «Carmen» geriet zum soghaft-konsequenten Schicksalsdrama fern knalliger Folklore. Puccinis Orchestersatz entwickelte subtile Durchsichtigkeit. In ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Gerhart Asche
JUBILARE
Philippe Herreweghe kam 1947 in Gent zur Welt und absolvierte sein Abitur am örtlichen Jesuitenkolleg. Danach studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt bei Marcel Gazelle (Klavier), Johan Huys (Cembalo) und Gabriel Verschraegen (Orgel). Der musikalischen Ausbildung schloss sich eine wissenschaftliche in den Fächern Medizin und Psychiatrie an. 1970...
Die leere, mit Holzplanken ausgelegte Bühne ragt bis in den Zuschauerraum hinein, das brutal-schöne Bild eines im Wasser liegenden, nur mit einem Slip bekleideten toten Mädchens wird projiziert. In pausenlosen 100 Minuten werden wir zu Augen- und Ohrenzeugen des Menschenschlachthauses, das Aischylos, der älteste der griechischen Tragiker, vor zweieinhalb...
Frau Chevalier, mögen Sie Medea?
Ja. Und nicht nur, weil sie eine mythische Figur ist. Sondern auch, weil sie wahnsinnig interessant ist. Weil sie so viele Facetten in sich trägt, weil sie ein inneres Gesicht hat. Medea wird im Verlauf ihrer Geschichte Mensch. Man kann sie, ihr Handeln, verstehen, weil es uns als menschliches Handeln begegnet. Ja, ich habe Sympathie...
