Gegenzauber
Zum Beispiel der kurze Blick in den Spiegel, ganz links hängt der. «Einen Unseligen labtest du», singt Siegmund und betrachtet sich betrübt, aber ohne jedes Selbstmitleid. Oder zuvor das zweimalige Reichen des Wasserglases, bevor Sieglinde noch eine Flasche Met bringt, vom Bruder anerkennend gewürdigt (die drei Gesten stehen exakt so in der Partitur). Oder der utopische Moment, wenn der Held seinen «Winterstürme»-Schlager beginnt, die Schwester in den Arm nimmt und beide sich im sachten Tanz wiegen – sogar «Ring»-Veteranen im Publikum müssen da schlucken.
Oder die Sekunden vor Hundings Tod, wenn dieser plötzlich ahnt, in welch Intrige höherer Mächte er da geraten ist. Ewig könnte man diese Aufzählung fortsetzen. Eine Unmenge von Details sind das, die sich hier, im Passionsspielhaus Erl, zum stimmigen Ganzen runden. Und beweisen: «Die Walküre» funktioniert wunderbar als reines Menschentheater, ohne Konzeptgewese, ohne Weltentwürfe, die ja gern Dramaturgen-Notwehr sind, weil für die Feinzeichnung das Handwerk fehlt. Ohnehin hat sich Brigitte Fassbaender mit all diesem Thesenballast nie unnötig beschwert. Ob Rossini, Strauss, Verdi oder jetzt Wagner: Stets inszeniert sie von innen ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel, Michael Stallknecht
arte
11.09. - 17.25 Uhr Orff: Carmina Burana «O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich, wächst du immer oder schwindest!»
Carl Orffs szenische Kantate «Carmina Burana» handelt von der Unbeständigkeit des Glücks und der Flüchtigkeit des Lebens. Regula Mühlemann, Michael Schade und Markus Werba sind die Solisten dieser Aufführung unter freiem Himmel auf dem...
Der Tod schmeckt ungewöhnlich süß. Und er leuchtet in den zartesten Farben. Jedenfalls in diesem Moment, an diesem Ort. Dabei sind die Vorhänge geschlossen im Schlafgemach der Violetta Valéry. Also muss es wohl ein himmlisches Licht sein, das in den Raum hineinfällt: engelsgleich. Giuseppe Verdi hat dafür eine göttliche Musik geschrieben, ein Andante in cmoll, das...
Gefiel nicht», ist auf dem Theaterzettel der Mannheimer Erstaufführung von Mozarts «Così fan tutte» vom 12. Mai 1793 vermerkt. Mozarts gewagteste Oper wurde von den Zeitgenossen in moralische Sippenhaft genommen für ein frivoles Libretto, bei dem, so Paolo Mezzacapo de Cenzo, «nichts durch die Blume, sondern alles durchs Geschlecht gesagt» ist. Selbst als die...
