Polonaise am Abgrund
Ein gutes Jahr noch, dann gehen die alten Lotsen von Bord. Zum Ende der Spielzeit 2005/06 werden Sir Peter Jonas und Zubin Mehta Münchens Musiktheater-Flaggschiff an Christoph Albrecht und Kent Nagano übergeben. Was den designierten Generalmusikdirektor betrifft, scheint die Vorfreude schon jetzt hohe Wellen zu schlagen.
Zwar war Bayerns Kapitale zu Naganos Debüt noch nicht – wie im Fall Christian Thielemann bei den Münchner Philharmonikern – flächendeckend mit Willkommensplakaten beklebt; doch der demonstrative Applaus, der «dem Neuen» schon vor seinem «Billy Budd»-Dirigat entgegenbrandete, erlaubt keinen Zweifel, dass Nagano auch in München der Ruf eines stabführenden Wundermannes mit Sinn für innovative Programme vorauseilt. Auch wenn die Entscheidung, Nagano mit der ersten Münchner Produktion des 1951 uraufgeführten Seestücks von Benjamin Britten zu betrauen, längst gefallen war, als die GMD-Kür publik wurde, stand der Auftritt im Graben der Bayerischen Staatsoper natürlich ganz im Zeichen seiner künftigen Rolle.
Der Mann aus Amerika hätte für seinen Einstand wohl kaum ein geeigneteres Werk auswählen können: Schon Mitte der neunziger Jahre hatte er sich mit der Partitur ...
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