Das Mädchen aus dem goldenen Westen
Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper gewesen, als Kind mit ihren Eltern in der «Zauberflöte» und später noch einmal mit ihrer eigenen Tochter, wiederum in der «Zauberflöte». Und trotzdem hat sie Ja gesagt.
«Weil es für mich ein Trip in ein fremdes Land war. Und ich bin einfach wahnsinnig gern in fremden Ländern», erklärt sie lachend. «So exotisch fand ich bisher allerdings keines.»
Seit diesen Tagen im Frühjahr 2001 ist Doris Dörrie opernsüchtig. Doch die 1955 geborene studierte Filmemacherin, die seit «Keiner liebt mich», «Bin ich schön?» und «Erleuchtung garantiert» als Spezialistin der Geschlechterkampf-Komödie gilt, begnügt sich nicht damit, die Stücke vom dunklen Zuschauerraum aus zu genießen. Nein, sie will möglichst viele Menschen von ihrer neuen Leidenschaft überzeugen: «Ich verstehe nicht, warum die Opernwelt so eine abgetrennte Kunst ist. Die ...
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Von Antonín Dvoˇráks zehn Opern hat es mit «Rusalka» gerade mal eine ins internationale Repertoire geschafft. «Jakobín» («Der Jakobiner») dagegen blieb schon wegen seines ausgeprägt folkloristisch und parodistisch überwölbten ernsten Sujets ein Außenseiter, der auch den Komponisten dramaturgisch nicht überzeugte – weshalb Dvoˇrák Jahre nach der Uraufführung (1889)...
Richtig putzig wirkte die alte Kulisse plötzlich: ein zierliches Stück Sperrholz-Barock in neuer, hochtechnisierter Umgebung. Wenn Carl Nielsens «Maskarade», die dänische Nationaloper schlechthin, bisher im Königlichen Theater am Kongens Nytorv gespielt wurde, war die Bühne voll mit einem Halbrund aus Balkons und Türen. Nun, auf der Bühne von Kopenhagens neuem...
Rossinis «Barbiere» wird, allen unter der heiteren Oberfläche verborgenen Abgründen zum Trotz, gern auf den Boulevard der unbekümmerten Lustbarkeiten geschickt. Wer Doktor Bartolo als gockeligen Trottel vorführt, Rosina als ein in Liebesdingen vollreifes Girlie präsentiert, Almaviva zum flotten Freier stilisiert und in Figaro die auf Verkupplungsgeschäfte...
