Gefährdete Gattung
Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus burmesischen Regenwäldern bildeten die Attraktionen der «Hunderterleiaufführungen» vor zweitausend Jahren.
Entscheidende Grundlagen für das Theater wurden auch in den Vergnügungsvierteln gelegt, wo Witzeerzähler auf Puppenspieler, Musiker, Schaukämpfer, Akrobaten trafen und ihre Künste vermischten. Aus anfangs einfachen Formen entstanden reichhaltige Programme. Als die Mongolen im 13. Jahrhundert China eroberten und die Yuan-Dynastie die Macht übernahm, wurden fast alle Beamten entlassen; viele fanden ihren neuen Brotberuf im Theater und führten dieses zu einer literarischen Blütezeit. Über Jahrhunderte zogen Truppen von Darstellern durch das Land, hinterließen überall Spuren, nahmen alles auf, was ihnen für die Bühne brauchbar erschien: Geschichten, Musizierweisen, Darstellungsformen, Kostüme. So wurden die Hafenstädte ...
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Die Sandsäcke an der Rampe und die Granateneinschläge, die noch vor dem ersten Ton des Orchesters donnern, die Flower-Power-Jeansrock-Lässigkeit von Salome, das schlichte Anzugsgrau der Hofgesellschaft und die Kampfkleidung der Soldaten – all das behauptet in Meiningen szenisch zunächst einmal die Gegenwärtigkeit eines über hundert Jahre alten Stücks, dessen Sujet...
Eigentlich ist Wu Hsing-Kuo die Ruhe in Person. Ein scheuer Mann, in sich gekehrt, ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über das scharf geschnittene Gesicht. Wu Hsing-Kuo scheint viel nachzudenken, über die verrückte Welt da draußen, über das Leben, über die Kunst, über sich selbst. Ein Stoiker, von dem niemand erwarten würde, dass er je aus der Haut fahren könnte....
Nicht «Spirto gentil», sondern «Ange si pur»: Der junge Klosterbruder, den die Liebe erwischte, lässt sich nun auch in Zürich auf Französisch vernehmen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass Gaetano Donizettis «Favoritin» sich in der Pariser Urfassung wesentlich genauer den Worten anschmiegt als in der mit links erstellten späteren italienischen Version. «La...
