Gefährdete Gattung
Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus burmesischen Regenwäldern bildeten die Attraktionen der «Hunderterleiaufführungen» vor zweitausend Jahren.
Entscheidende Grundlagen für das Theater wurden auch in den Vergnügungsvierteln gelegt, wo Witzeerzähler auf Puppenspieler, Musiker, Schaukämpfer, Akrobaten trafen und ihre Künste vermischten. Aus anfangs einfachen Formen entstanden reichhaltige Programme. Als die Mongolen im 13. Jahrhundert China eroberten und die Yuan-Dynastie die Macht übernahm, wurden fast alle Beamten entlassen; viele fanden ihren neuen Brotberuf im Theater und führten dieses zu einer literarischen Blütezeit. Über Jahrhunderte zogen Truppen von Darstellern durch das Land, hinterließen überall Spuren, nahmen alles auf, was ihnen für die Bühne brauchbar erschien: Geschichten, Musizierweisen, Darstellungsformen, Kostüme. So wurden die Hafenstädte ...
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