Gebrochen
«Gloriana» – so bejubelten die Untertanen ihre Königin Elisabeth I. nach dem Sieg der englischen Flotte über die Große Armada der Spanier anno 1588. Doch Elisabeths Alltag war wenig glorreich: Umgeben von
intriganten Höflingen, innerlich zerrissen, galt ihre Zuneigung dem drei Jahrzehnte jüngeren Robert Devereux. Dass der Graf von Essex ihr Günstling war, ist historisch belegt. Benjamin Britten und sein Librettist William Polmer deuten das Verhältnis als platonische Liebe. Eine Romanze, die nicht frei von erotischen Untertönen ist.
Der Graf indes handelt aus kühlem Kalkül.
Mit «Gloriana» bringt Joan Matabosch, der Künstlerische Leiter des Teatro Real, bereits die dritte Britten-Oper auf die Bühne, nach «Tod in Venedig» (2016) und «Billy Budd» (2017). Das Stück wurde 1953 aus Anlass der Krönung Elisabeths II. uraufgeführt, die Royals sollen von der Tragödie um eine einsame, alternde Regentin nicht begeistert gewesen sein.
Das spartanische Bühnenbild (Robert Jones) unterstreicht ihre seelische Not: Gold glänzen nur die Ornamente, das Gefolge trägt rabenschwarzes Renaissance-Habit. Und geht durch ein Wechselbad der Gefühle. Eifersüchtig stellt die Queen die Frau des Grafen vor ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Thomas Urban
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