Ganze Sache
Der Not gehorchend, aber alles andere als eine Notlösung: Weil der Orchestergraben keine 77 Musiker fasst, hat sich Hausherr Martin Schüler für das 1908 erbaute Jugendstiltheater einen «Ring des Nibelungen» einfallen lassen, der etwas anders ist als alle anderen Aufführungen und dennoch Wagners Vorstellungen insofern entspricht, als in Cottbus tatsächlich einmal die «Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik» erfahrbar wird. Das Philharmonische Orchester hat der Intendant auf der Bühne platziert, vom eigentlichen Geschehen zumeist durch einen durchsichtigen Gaze-Vorhang abgeteilt.
Davor inszeniert er den zweiten Tag der Tetralogie keineswegs als «halbe» Sache, wie es das schmückende Beiwort «semiszenisch» zu suggerieren scheint. Sein «Siegfried» erweist sich vielmehr als ein Scherzo, das nicht zuletzt das Publikum in die Aktion einbezieht: Um Hilfe heischend, wendet sich Mime wie selbstverständlich an den nächstbesten Zuschauer, als ihm die Fragerei des Wanderers langsam auf die Nerven geht – und der sitzt, durch keinen Graben vom Geschehen getrennt, bekanntlich in der ersten Reihe.
Was nicht heißt, dass es der Aufführung an Ernsthaftigkeit mangelt. Aller Situationskomik zum ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hartmut Regitz
Wenn Eimuntas Nekrosius in Vilnius zur Opernpremiere lädt, ist das für Litauen ein nationales Ereignis. Ursprünglich war sein «Otello» zum 90-jährigen Jubiläum der ersten stehenden Opern-Kompagnie des Landes geplant. Das Debakel seiner «Faust»-Inszenierung an der Mailänder Scala, wofür nicht zuletzt der Streik des Opernchores verantwortlich gemacht wird, stürzte...
Für Hugo Wolf musste ein Gedicht, um zum Lied zu werden, bereits bedeutend sein. Der Komponist vertonte Dichtungen, die erhebliches Eigengewicht mitbringen und die gut auch ohne Musik zurechtkommen. Zum Glück, schrieb der Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel, habe Wolf zwar viel, aber nicht zu viel von Lyrik verstanden, denn er habe ja auch Emanuel Geibel und...
Medea und kein Ende. Für jede Generation öffnet der Stoff neue Fragen, neue Facetten. In der Literatur zieht sich Medeas Spur von Euripides über Hans Henny Jahnn bis zu Christa Wolf; in der Musik von Cavalli und Charpentier über Cherubini und Simone Mayr bis zu Milhaud. Um die Jahrtausendwende sorgte Medea dann erneut für einen Boom und extrem verschiedene...
